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Turmbau zu Basel

12.02.2009 Dort wo die Ultra-Brag AG im Basler Rheinhafen bisher Schiffe entladen und Güter eingelagert hat, will Novartis seine Campus-Idee verwirklichen. Als Ersatz für die bisherigen Anlagen hat deshalb Ultra-Brag im Hafen Kleinhüningen eine 83 Meter hohe Siloanlage sowie im Muttenzer Auhafen ein riesiges Flachlager gebaut. Bühler lieferte das Innenleben der neuen Anlagen. Das Schweizer Logistik- und Binnenschifffahrtsunternehmen Ultra-Brag AG befindet sich seit zwei Jahren in einem durchgreifenden baulichen Erneuerungsprozess. Bis Ende 2009 muss das alteingesessene Basler Rheinschifffahrts-, Logistik- und Lagerunternehmen einen von aktuell drei Lager- und Umschlagsstandorten im Rheinhafen St. Johann geräumt haben.

Hafen weicht Novartis-Campus Externer
Auslöser für das grösste Bau- und Umzugsprojekt in der langen Geschichte von Ultra-Brag ist ein Grossprojekt des internationalen Pharmakonzerns Novartis: Novartis baut auf einem grossen Areal in unmittelbarer Nachbarschaft des St.Johann-Hafens einen «Campus des Wissens, der Innovation und der Begegnung». Das städtebauliche Konzept sieht dafür auch die weite Öffnung und Begrünung des Geländes bis zum Rhein vor. Die Folge: Bis spätestens Ende des Jahres 2009 muss die Ultra-Brag AG als alleinige Betreiberin des St.Johann-Hafens den Standort am linksseitigen Rheinufer geräumt haben.

Damit sah sich die Ultra-Brag AG gezwungen, ihren Rheinhafen mit Silos, Kranen und Schiffsanlegeplätzen an einen anderen Ort zu verlegen. Kein leichtes Unterfangen, herrschen doch in den Basler Häfen bereits enge Verhältnisse. Doch in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und Novartis konnte eine Lösung gefunden werden, die alle Beteiligten befriedigt: ein neuer Siloturm für Schüttgüter mit einer neuen Schiffsentladeanlage im Hafenbecken II in Kleinhüningen sowie ein neues grosses Flachlager im Auhafen von Muttenz. «Der Bau dieser zwei neuen Anlagen stellte für uns zwar eine riesige Herausforderung dar», meint Beat Heydrich, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Ultra-Brag AG, und fügt bilanzierend hinzu: «Das Neubau- und Umzugsprojekt hat uns aber auch neuen Schwung verliehen und auf weite Strecken neue, moderne und leistungsfähige Anlagen gebracht. Wir haben damit auch die Chance erhalten, unsere Abläufe zu verbessern und die Effizienz zu steigern.»

Ein 83 Meter hoher Turm
Das neue Silogebäude der Ultra-Brag AG im Rheinhafen Kleinhüningen ist ein imposantes Gebäude. Mit einer Gesamthöhe von 83 Metern dominiert es die Basler Hafen-Skyline. Diese Höhe macht spezielle Vorkehrungen nötig: Der Bau muss erdbebensicher sein, er muss die Windkräfte elastisch aufnehmen, und sein immenses Gewicht muss auf der relativ kleinen Grundfläche von 27 mal 40 Meter zuverlässig abgestützt sein. Der Betonbau, welcher im Gleitschalungsbau in drei Etappen erstellt wurde, steht deshalb auf einer Vielzahl bis zu 1,2 Meter dicker und 28 Meter langer Pfähle. Der Siloteil des neuen Ultra-Brag-Wahrzeichens ist rund 70 Meter hoch. Darin sind 32 runde Silozellen sowie 15 Zwickelzellen untergebracht. Sie bieten eine Lagerkapazität von über 40 000 m3. Im Kopfgebäude des Silos, welches wasserseitig an den Zellenblock angebaut ist und nochmals vier Stockwerke über die Zellen ragt, befindet sich der grösste Teil des Bühler Equipments. Den Mittelpunkt bilden jedoch die beiden 87 Meter hohen Gurtelevatoren, welche das Produkt von der Schiffs- oder Bahnannahme in die Höhe befördern.

Die Ultra-Brag AG vertraut schon seit Jahrzehnten auf die bewährte Förder- und Lagertechnik von Bühler und übertrug auch beim Siloneubau die Lieferung, die Montageüberwachung und Inbetriebsetzung der komplexen Förder- und Steueranlagen den Grain-Handling-Spezialisten aus Uzwil.

Ein spezielles Projekt «Mit der Höhe von 83 Metern und der sehr kleinen Grundfläche von nur rund 1000 m2 stellt der neue Lagerturm der Ultra-Brag AG einen Spezialfall dar», erklärt Marco Ceresa, der bei Bühler für die Koordination des Projektes verantwortlich war. «Zudem wurde ein Teil der Silozellen in der Vertikalen geteilt, um die Anzahl der Zellen zu vergrössern. Eine aktive Explosionsschutzeinrichtung und Druckentlastungen über den Zellendecken sind ein Teil eines gesamten ATEX-Konzepts.»

Die eigentliche Silotechnik entspricht modernstem Standard. Zahlreiche Kettenförderer und Elevatoren sorgen für den Transport der Schüttgüter von der Schiffsentladestelle bis zu den Silos. Spezielle Annahme- und Reinigungsanlagen sorgen für die fachgerechte Behandlung des einzulagernden Getreides. Die eingelagerten Schüttgüter werden über zentrale als auch dezentrale Filteranlagen aspiriert. Schliesslich installierte Bühler auch die Einrichtungen zum Beladen der Lastwagen und Eisenbahnwagen für den Weitertransport.

Die vollautomatisch gesteuerten Förderanlagen erlauben zusammen mit dem neuen, leistungsfähigen «Känguru-Kran» einen Warenfluss von bis zu 600 m3 pro Stunde. Das ist fünfmal mehr als am alten Standort.

Doppelstöckiges Flachlager
Der zweite Neubau der Ultra-Brag AG im Auhafen von Muttenz, einem Vorort von Basel, unterscheidet sich vom Silohochhaus gleich mehrfach. Es ist ein auf einer Grundfläche von 42 mal 120 Metern erstelltes doppelstöckiges Flachlager mit einer Gesamtlagerkapazität von 27 000 m3 für loses Futter- und 6 600 m3 für Düngemittel. Durch die Konzeptänderung der Firma Bühler – Kettenförderer über dem Flachlagerdach als Eintrag in das Futtermittellager gegenüber Bandanlagen im Innern des Lagers – resultierte für den Kunden eine über 60 % grössere Lagerkapazität bei gleichbleibender Gebäudeaussenabmessung. Auf den voneinander vollständig getrennten Ebenen werden Futtermittel und Düngemittel gelagert und bearbeitet. In Flachlagern werden grundsätzlich solche Schüttgüter zwischengelagert, die sich wegen ihrer speziellen Fliesseigenschaften nicht für die Lagerung im Silo eignen.

Das Obergeschoss der Anlage ist für die Futtermittel reserviert. Die 25 Abteile werden mittels separater Förderanlagen übers Dach eingefüllt. Im Erdgeschoss werden Düngemittel gelagert. Die 16 Abteile werden – völlig getrennt vom Handling der Futtermittel – von der Schiffsanlegestelle direkt beschickt. Da das neue Flachlager nicht direkt am Wasser liegt, musste vom Greiferkran bis zur neuen Halle – über Bahngeleise und Strasse hinweg – eine leistungsfähige und staubfrei gehaltene Förderanlage gebaut werden.

Der Anteil an Futtermitteln und Derivaten, die im Container angeliefert werden, hat laut Ultra-Brag in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Auf ausgesuchten Transportrouten und für spezielle Produkte hat sich ein Nischenmarkt für den Transport von Schüttgütern im Container entwickelt. Bühler bietet bereits heute Lösungen zu Be- und Entladung von Containern mit Getreide, Futtermitteln und Derivaten an. Neue moderne Anlagen werden zunehmend mit dieser «Containeroption» ausgerüstet. Diese ist neben der Schiffs-, Bahn- und Lkw-Be- und -Entladung eine weitere Variante innerhalb der Getreideterminals. Auch wenn diese zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist der Gesamtanteil am «Containergetreide » doch eher gering. Dies hängt mit den volatilen Frachtraten und der jeweiligen Verfügbarkeit von freien Containern auf solchen Transportrouten zusammen. Im Augenblick wird der weltweite Anteil des Containers an der Getreidelogistik mit ca. 1 – 2 % angegeben. Für das Flachlager im Auhafen hat Bühler eine Containerkipprampe mit integrierter Annahmegosse eingesetzt, welche über eine programmierbare Steuerung die automatische Entleerung des Containers ermöglicht. Der beim Kunden vorhandene Containerkran kann die jeweiligen Container direkt auf die Kippvorrichtung absetzen. Nach der Öffnung der Containertüren kann mit der Entladung begonnen werden.

Mehr als nur Lagerung von Schüttgutern
Das Erdgeschoss des Flachlagers dient nicht nur der Lagerung von losen und abgesackten Düngemitteln, sondern beherbergt auch eine Verarbeitungsanlage zum Mischen verschiedener Komponenten sowie zwei Absackungsanlagen für Düngemittel in 50kg-Säcke und Big-Bag. Die Düngemittel verlassen das Gebäude nur in Säcken oder Big-Bags. Eine weitere Absackanlage dient dem Abpacken von Futtermitteln.

Wie beim Neubauprojekt Kleinhüningen stammt die technische Ausrüstung des neuen Ultra-Brag-Flachlagers im Auhafen von Bühler. So planten und installierten die Grain-Handling-Spezialisten die gesamten Förderanlagen im Futtermittellager und im Wiegeturm, ebenso die Annahmeeinrichtungen für Futtermittel und die Anlagen für den Belad von Lastwagen und Eisenbahnwaggons. Schliesslich konfigurierte und baute Bühler auch die komplexe Steuerung der Anlage.

Der bauliche Erneuerungsprozess der Ultra-Brag AG dauerte vom Baubeginn im Frühling 2008 bis zur Inbetriebnahme im Herbst 2009 nur knapp anderthalb Jahre. Damit konnte die feierliche Einweihung Ende Oktober 2009 stattfinden.

Der neue Silobau von Ultra-Brag. Der neue Silobau von Ultra-Brag.

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