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Givaudan

Gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft

Was braucht es, um Lebensmittelinnovationen voranzutreiben und gleichzeitig das Klima und die Ernährung positiv zu beeinflussen? Eine gemeinsame Vision, die zur Partnerschaft von Bühler und Givaudan geführt hat. In diesem Interview legen Fabio Campanile, Head of Science and Technology bei Givaudan, und Ian Roberts, Chief Technology Officer bei Bühler, die starken Wurzeln offen, die die beiden Unternehmen teilen, und sie erklären, wie sie den Wandel in der Nahrungsmittelindustrie beschleunigen wollen. 

Fabio Campanile, kannst du uns erklären, was Givaudan macht und welche Rolle du in diesem Unternehmen spielst? 

Fabio Campanile: Ich bin verantwortlich für Innovationen rund um neue Produkte und neue Technologien. Wir konzentrieren uns hauptsächlich auf den Bereich Lebensmittel. Unser traditionelles Geschäft sind Aromen, aber in den letzten zwei Jahren haben wir uns in neue Bereiche rund um natürliche Inhaltsstoffe, Farben, Konservierungsstoffe und auch funktionelle Inhaltsstoffe vorgewagt, etwa im Bereich der Gesundheit. Einige dieser Inhaltsstoffe haben zugelassene gesundheitsspezifische Eigenschaften, während andere intuitiv mit positiven gesundheitlichen Vorteilen assoziiert werden. 

Wohlbefinden ist also ein Schlüsselmarkt?  

Campanile: Ja, es geht darum, das Verbrauchererlebnis zu verbessern, was bedeutet, dem Gaumen zu schmeicheln und visuelle Attraktivität hinzuzufügen. Es sind die Qualitäten, mit denen Lebensmittel Menschen glücklich machen. Es geht auch um den positiven Nutzen für die Gesundheit, denn wir glauben, dass wir durch Lebensmittel den Menschen helfen können, länger, besser und gesünder zu leben.  

Kannst du etwas näher erläutern, wie neue Geschmacksrichtungen entstehen? 

Campanile: Es geht nicht nur um Aromen, sondern um ein viel komplexeres Angebot von Lebensmittelzutaten. Es geht also nicht nur darum, einen Geschmack für ein Produkt zu erzeugen, sondern darum, ein Lebensmittel zu formen oder an seiner Rezeptur zu arbeiten. Ein Beispiel ist die Herausforderung, Lebensmittel klar zu kennzeichnen. Es gibt viele neue Lebensmittelkategorien auf dem Markt. Zum Beispiel gab es in den letzten drei, vier Jahren eine enorme Zunahme von Fleischalternativen, die es vorher nicht gab. Vom Geschmack über die Textur bis hin zu den Nährstoffeigenschaften stellen diese Produkte besondere Herausforderungen an die Formulierung.  

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Wir können die bestehenden globalen Herausforderungen nicht alleine lösen. Ich bin sehr gespannt darauf, ein Ökosystem mit weiteren Partnern zu schaffen.

Fabio Campanile,
Head of Science and Technology bei Givaudan

 

Ian Roberts, kannst du uns mehr darüber erzählen, wie die Partnerschaft zwischen Bühler und Givaudan zustande kam?

Ian Roberts: Seit Jahren sind wir Nachbarn, wir in Uzwil und Givaudan in Dübendorf, weniger als eine Stunde voneinander entfernt. Diese Nähe hat uns in unserer Partnerschaft immer geholfen. Wir arbeiten seit Jahrzehnten immer wieder zusammen und haben so eine gemeinsame Geschichte, die auf Vertrauen basiert.  Dazu kommt, dass viele unserer Kunden dieselben sind. Sie kommen auf der Suche nach Technologie zu uns und gehen auf der Suche nach Aromen und Ingredienzien zu Givaudan. Es macht grossen Sinn, die Synergien zu nutzen und zusammenzuarbeiten, um gemeinsam bessere Lösungen anzubieten. Darüber hinaus haben beide Unternehmen eine starke Rolle beim Aufbau eines schweizerischen Kooperationsnetzwerks gespielt. Wir wollen die Schweiz zur Wiege für Lebensmittelinnovationen und für nachhaltige Lebensmittelsysteme aufbauen.

Ihr seid beide im Vorstand des Start-up-Beschleunigers MassChallenge Switzerland. Wie hat sich das auf eure Unternehmensbeziehung ausgewirkt?  

Roberts: Die Arbeit, die wir mit den Start-ups geleistet haben, hat uns auch als Unternehmen zusammengebracht. Indem wir MassChallenge in die Schweiz gebracht und dieses Netzwerk entwickelt haben, konnten wir eine Beziehung aufbauen, bei der wir gemeinsam junge Unternehmerinnen und Unternehmer unterstützen, damit sie ihre Start-ups erfolgreich aufbauen können. Givaudan und Bühler profitieren davon, denn es gibt uns die Möglichkeit, unsere interne Kultur zu verändern, indem wir von den Start-ups lernen. 

Portait von Ian Roberts Portait von Ian Roberts Ian Roberts, Chief Technology Officer bei Bühler

Wir unterstützen Start-ups, die bei Bühler eine Technologie suchen und bei Givaudan Hilfe bei Rezepturen erhalten. So bauen wir Vertrauen und Partnerschaften auf, was wiederum eine gute Grundlage für zukünftige Projekte ist. Beispielsweise haben wir komplementäre Fähigkeiten im Bereich alternativer Proteine, wo wir nicht nur Start-ups, sondern auch grossen Unternehmen weltweit Unterstützung anbieten können.

Was genau lernen grosse Unternehmen wie Bühler und Givaudan von Start-ups? 

Campanile: Dank Start-ups können wir unsere Innovationen erweitern, weil sie Lösungen haben, nach denen wir suchen. Sie hinterfragen auch kritisch, was wir in Zukunft anbieten sollen. Und viele dieser Start-ups sind potenzielle neue Kunden. In vielen Fällen könnten sie durch den Weg, den sie einschlagen, zu den grossen Kunden von morgen werden. Sie haben zudem die Fähigkeit, Organisationen kritisch zu durchleuchten und sie lassen sich auf eine viel beweglichere Art und Weise inspirieren. Viele dieser Start-ups können uns lehren, wie wir Innovationen schneller vorantreiben können.  

Was können Bühler und Givaudan gemeinsam bei der Bewältigung der Klima- und  Ernährungsproblematik erreichen? 

Roberts: Bühler und Givaudan engagieren sich für die Nachhaltigkeit, und dieses Engagement ist tief in unserem Handeln verankert. Wir brauchen nachhaltige Ernährungssysteme, die im Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen ernähren können. Wir müssen in der Lage sein, zugängliche und erschwingliche Lebensmittel mit grossartigem Geschmack und hohem Nährwert zu liefern, aber ohne die Ressourcen des Planeten über Gebühr zu belasten. Um ein Problem dieser Grössenordnung zu lösen, müssen wir zusammenarbeiten, denn ein einziges Unternehmen kann das unmöglich alleine schaffen. Ganz gleich, ob es sich um Partnerschaften mit einem grossen Unternehmen wie Givaudan, mit Kunden oder Universitäten handelt, oder mit Start-ups die Schlüsseltechnologien entwickeln, die in der Lage sind, unseren CO2-Fussabdruck zu reduzieren: Wir brauchen diese Partnerschaften, um Ideen zu verwirklichen und unsere Kunden zu unterstützen. Das ist eine gemeinsame Aufgabe.

Campanile: Ich möchte anfügen, dass wir natürlich auch als Unternehmen unseren Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen leisten. Aber die grösste Wirkung können wir erzielen, wenn wir die Art und Weise ändern, wie wir Lebensmittel produzieren, verarbeiten und an die Kunden verteilen. 

 

Fabio Campanile und Ian Roberts treffen sich im CUBIC-Innovationscampus in der Schweiz, um über aktuelle und zukünftige Zusammenarbeit zu sprechen. Fabio Campanile und Ian Roberts treffen sich im CUBIC-Innovationscampus in der Schweiz, um über aktuelle und zukünftige Zusammenarbeit zu sprechen. Fabio Campanile und Ian Roberts treffen sich im CUBIC-Innovationscampus in der Schweiz, um über aktuelle und zukünftige Zusammenarbeit zu sprechen.

 

Ihr werdet demnächst in Singapur ein Innovationszentrum für pflanzliche Lebensmittel eröffnen. Wie kam es dazu?

Campanile: Es geht darum, wie sich die Branche entwickelt, um dringende Herausforderungen rund um die Lebensmittelversorgung anzugehen. Die Dinge entwickeln sich so schnell, dass wir mehrere Partnerschaften brauchen, um diesen Herausforderungen zu begegnen – sei es, was alternative Proteine, Nachhaltigkeit oder Gesundheit betrifft. Dann geht es auch darum, wie schnell die Produkte auf den Markt kommen. Wie können wir sie schneller skalierbar machen? Skalierbarkeit ist eine besondere Hürde für Start-ups. Und selbst unsere etablierten Kunden, die seit 20 oder sogar 100 Jahren eine bestimmte Art von Produkten herstellen, haben grosses Interesse an der Entwicklung neuer Produkte. Unser Innovationszentrum in Singapur wird dazu beitragen, die Art von Netzwerk aufzubauen, von dem wir geträumt haben, und die Schaffung neuer Produkte zu erleichtern.

 

Roberts: Ja, das denke ich auch. Was Singapur als Staat tut, um ein solches Netzwerk aufzubauen, ist aussergewöhnlich. Es gibt Finanzierung, Risikokapital und Beschleunigungsprogramme; viele grosse Unternehmen haben dort ihre regionalen Zentralen. Es ist ein sehr attraktiver Markt. Wir haben gemerkt, dass Kunden jeweils zuerst zu Givaudan und danach zu uns kommen. Also haben wir uns gesagt, dass es doch logisch wäre, unsere Kräfte in diesem Bereich zu bündeln, um für unsere Kunden eine zentrale Anlaufstelle für Technologie, Produktentwicklung sowie die Entwicklung von Ingredienzien und Aromen zu schaffen. Es ist ein fantastisches Experiment. Es gibt weltweit nur eine Handvoll Einrichtungen, die von mehreren Unternehmen gemeinsam betrieben werden. Wenn wir das zum Laufen bringen, ist das ein Lehrstück für künftige Partnerschaften.

Unser kombiniertes Fachwissen ermöglicht neue Sortimente, die dem Geschmack, den Texturerwartungen und den Kochtechniken Asiens gerecht werden.

Fabio Campanile,
Head of Science and Technology bei Givaudan

 

Warum Singapur? Was können die Kunden vom Innovationszentrum erwarten? 

Campanile: Singapur ist ein vielfältiges Land im Herzen Südostasiens mit ehrgeizigen Zielen für die Zukunft der Ernährung. Wir sehen in den kommenden Jahren in Asien ein grosses Marktpotenzial für Produkte auf pflanzlicher Basis, besonders im alternativen Fleischsektor. Unser kombiniertes Fachwissen in der Entwicklung und Herstellung von Lebensmitteln auf pflanzlicher Basis wird neue Sortimente ermöglichen, die dem Geschmack, den Texturerwartungen und den Kochtechniken in Asien gerecht werden. Die anfängliche Konzentration auf extrudierte Produkte ist wichtig, da sie eine Schlüsseltechnologie für die Entwicklung authentischer Fleischalternativen ist.

Roberts: Wir werden nicht nur lebensmittelverarbeitende Unternehmen aufnehmen, sondern auch Start-ups und Forschende von Universitäten, die neuartige, pflanzliche Lebensmittelprodukte entwickeln wollen. Sie werden von unserem Extrusions und Verarbeitungs-Know-how und der Expertise von Givaudan in den Bereichen Aromen, Geschmack, Zutaten und Produktentwicklung profitieren.

Plant ihr, euer Kooperationsmodell auch für andere Akteure aus der Lebensmittelbranche zu öffnen?

Campanile: Das geschieht bereits. Viele wollen sich uns anschliessen, und wir freuen uns, sie in diesem sich ständig weiterentwickelnden Netzwerk willkommen zu heissen. Wir brauchen die komplementären Fähigkeiten der verschiedenen Partnerfirmen, um die bestehenden Herausforderungen zu meistern. Das können wir nicht allein tun.

Roberts: Genau. Auch wenn wir unser Wissen kombinieren, um gemeinsam etwas aufzubauen, merken wir, dass es immer noch Lücken gibt. Es gibt ganze Bereiche, in denen andere Unternehmen  weitaus mehr Fachwissen haben als wir. Sie einzuladen, dieses Netzwerk zu verstärken, ist ein logischer Schritt.

 

Es macht absolut Sinn, Synergien zu nutzen und zusammenzuarbeiten, um unseren Kunden bessere Lösungen zu bieten.

Ian Roberts,
Chief Technology Officer bei Bühler

Du hattest geplant, das Innovationszentrum im Sommer 2020 zu eröffnen, was sich aber durch die Coronapandemie verzögert hat. Gibt es bereits ein neues Datum?

Roberts: Wir rechnen damit, dass das Innovationszentrum im März 2021 voll einsatzbereit sein wird. Natürlich entzieht sich wegen des Coronavirus einiges unserer Kontrolle. Je nachdem, wie sich alles entwickelt, werden wir die geplante Eröffnung im März entweder physisch oder virtuell abhalten.

Welches sind die nächsten Ziele in der Partnerschaft von Givaudan und Bühler? 

Campanile: Ich bin sicher, dass es noch zahlreiche Ausbaumöglichkeiten gibt. Ich würde etwa dieses Projekt gerne an anderen Orten wiederholen, das wäre eine logische Fortsetzung. Wir könnten in Nordamerika oder sogar hier in der Schweiz noch einiges anpacken.

Roberts: Ich glaube auch, dass es viele Möglichkeiten gibt. Auf der ganzen Welt gibt es Hotspots für Lebensmittelinnovation. Und auch an diesen Orten wäre es sinnvoll, unsere Kräfte zu bündeln. Wir werden zudem den Start-up-Beschleuniger MassChallenge weiter vorantreiben. Auch die Schweizer Forschungsgruppe Future Food Initiative werden wir weiter voranbringen, indem wir die akademischen Leistungen der Schweiz bündeln und weiterhin Talente anziehen, die das Engagement haben, neue Herausforderungen anzugehen. Wir wollen in der Schweiz eine kritische Masse an  Know-how schaffen, indem wir ein schweizerisches Nahrungsmittel- und Ernährungs-«Valley» aufbauen. Was den globalen Markt anbelangt, so planen wir, die Zusammenarbeit im Rahmen von weiteren Partnerschaften auf der ganzen Welt zu wiederholen.

Die Future Food Initiative wurde von der ETH Zürich und der EPFL zusammen mit Bühler, Givaudan und Nestlé als erste Partner lanciert. Ihr Ziel ist es, Forschung und Ausbildung im Bereich der Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften auszubauen, indem Kompetenzen aus akademischer und industrieller Forschung zusammengeführt werden. 

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