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Miller Milling
Die Geschichte vom viertgrössten Müllereibetrieb in den USA, der mit Lösungen von Bühler zum digital fortschrittlichsten Müllereiunternehmen der Welt wurde, begann mit einem scheinbar harmlosen Gespräch. Es führte zu einem Ergebnis, das alle überraschte.
Stuart Spear, 25. März 2021
Es kommt nicht oft vor, dass ein Vertriebsteam die Chance erhält, etwas wirklich fundamental Neues zu tun. Zum Beispiel einem Kunden eine Lösung zu verkaufen, die das Potenzial hat, eine ganze Branche zu verändern. Genau das ist Liam Cassidy und Juan Martinez gelungen, nachdem sie ein vermeintlich harmloses Gespräch mit einem Kunden über Leistungskennzahlen geführt hatten.
Cassidy, Head of Automation bei Bühler Nordamerika, und Martinez, Sales Account Manager, gehören zum Team in Minneapolis, USA, einer Stadt, die bis in die 1930er Jahre als «Müllereihauptstadt der Welt» bezeichnet wurde. Viele der Mühlen, die ursprünglich von der gewonnenen Energie aus den St. Anthony Falls, dem einzigen natürlichen Wasserfall am Mississippi, angezogen worden waren, sind inzwischen weggezogen oder es gibt sie nicht mehr. Das 1986 gegründete Unternehmen Miller Milling ist eine Ausnahme. Mit Sitz in Bloomington, zehn Meilen südlich von Minneapolis, ist Miller Milling derzeit der viertgrösste Weizenmüller in den USA, mit dem ehrgeizigen Ziel, der grösste der Welt zu werden. Die Führungskräfte von Miller Milling erkannten bald, dass die neu geschaffene Partnerschaft mit Bühler einen grossen Beitrag zur Erreichung dieses Ziels leistet.
«Von einem ersten Gespräch mit dem Kunden über die Art und Weise, wie er über seine Kennzahlen berichtet, gingen wir dazu über, die Daten aller 13 Mühlen mit Bühler Insights, MyBühler und Bühler Mercury zu verknüpfen und zu streamen», sagt Cassidy. Das war eine radikale Veränderung. Keine anderer US-amerikanischer Müllereibetrieb hat bisher seine Prozesse in einem so grossen Umfang digitalisiert. Vom ersten Gespräch bis zur vollständigen Implementierung der Lösungen von Bühler in allen Werken von Miller Milling in Kalifornien, Virginia und Texas verging weniger als ein Jahr.
Von Anfang an war klar, dass das kein typischer Verkaufsprozess war. Normalerweise bietet Bühler seinen Kunden Lösungen für spezifische Fertigungsanforderungen an. Hier ging es darum, Miller Milling in weniger als zwölf Monaten in den digital fortschrittlichsten Müllereibetrieb der Welt zu verwandeln. Mit Bühler Insights ist Miller Milling in der Lage, Produktionsdaten überall dort zu sammeln, wo es möglich ist, einen sogenannten «Smart Sensor» (intelligenter Sensor) zu platzieren. Das Unternehmen kann diese Daten analysieren, oft in Echtzeit, und so die Produktionseffizienz maximieren. MyBühler bietet eine digitale Übersicht über alle Daten der Maschinen von Bühler, während das Bühler Mercury Execution System die Steuerungssysteme des Werks mit externen Daten zu Rohstoffen, Ressourcen, Lagerung, Logistik und Versand integriert. Das ist ein fundamentaler Wandel.
Cassidy und Martinez erkannten bald, dass Geschwindigkeit für den Verkaufsprozess entscheidend sein würde. «Wir merkten, dass der Kunde bereits mit einem anderen Anbieter im Gespräch war und bereit war, loszulegen, was uns wiederum anspornte, schnell zu handeln», erzählt Martinez.
«Miller Milling hatte kein Steuerungssystem von Bühler und die Anpassung dauert normalerweise Monate, aber unser Automationsteam hat wirklich ganze Arbeit geleistet und wir hatten innert zwei Wochen eine Lösung, die auch mit einem Steuerungssystem funktionierte, das nicht von Bühler ist.»
Die weltweite Müllereibranche ist ein traditioneller Sektor, der seine Produkte seit Generationen auf traditionelle Weise herstellt. Der Wunsch von Miller Milling, den technologischen Wandel voranzutreiben, ist für die Branche ungewöhnlich. Im Jahr 2012 wurde das Unternehmen von der japanischen Holdinggesellschaft Nisshin Seifun Group übernommen. Ihr gehört auch auch Nisshin Flour Milling an, Japans grösster Getreidemüller. «Die Nisshin Group als Muttergesellschaft und Miller Milling sind der Ansicht, dass der Einsatz von IT in der Müllereibranche weit hinter anderen Branchen zurückbleibt. Wir sind nur dann in der Lage, ein erfolgreiches Geschäft aufzubauen und zu einer nachhaltigen Gesellschaft beizutragen, wenn wir digitaler werden», sagt Daisuke Ito, Director of Engineering bei Miller Milling.
Bei Gesprächen zwischen den Teams von Bühler und Miller Milling ergaben sich weitere Synergien. Bühler hat 2019 seine Nachhaltigkeitsziele angepasst, um den Energieverbrauch, den Abfall und den Wasserverbrauch in den Wertschöpfungsketten seiner Kunden um 50 Prozent zu senken. Auch Miller Milling hat erkannt, dass Nachhaltigkeit der Schlüssel zum Erfolg ist. «Wenn wir den Energieverbrauch und den Abfall reduzieren und gleichzeitig ein stabiles, qualitativ hochwertiges und sicheres Produkt für unsere Kunden herstellen wollen, gibt es keine andere Möglichkeit, als die Digitalisierung voranzutreiben», ist Ito überzeugt.
Nachdem Miller Milling das Potenzial von Bühler erkannt hatte, ging alles schnell. Cassidy und Martinez schlugen ein Pilotprojekt vor, und innert zwei Wochen war Bühler Insights mit einer der Anlagen verbunden und analysierte Produktionsvariablen. Ende August 2019 wurde das Team von Miller Milling zu den Networking Days in Uzwil eingeladen, wo CEO Stefan Scheiber seine Vision der Rolle von Bühler bei der Erreichung der globalen Klimaziele darlegte.
«Weil wir mit dem Schweizer Team zusammenarbeiteten, konnten wir gemeinsam eine besser definierte Roadmap entwickeln. Und dann ging es richtig los», erzählt Cassidy. «Wenn ich jetzt zurückblicke, ist es faszinierend, wie all das nur aufgrund dieses einen Gesprächs über Kennzahlen passiert ist. Es zeigt, dass man sich nicht unbedingt auf die Technologie konzentrieren sollte, sondern dass man verstehen muss, was für den Kunden wichtig ist.»
Sieh dir dieses Video an, das Microsoft über Miller Milling und seine digitale Reise mit Bühler gemacht hat.
Was darauf folgte, ist eine gemeinsame Entdeckungsreise. Es brauchte viele gemeinsame Brainstorming-Sitzungen, um das Potenzial in vollem Umfang zu erkennen, das aus der Überwachung aller Komponenten des Mahlprozesses entsteht. «Wir bildeten ein einziges Team, ein Ökosystem, in dem wir uns gemeinsame Ziele setzten und die Schranken niederrissen, die normalerweise zwischen Kunden und Lieferanten bestehen. Wir wollten uns verbinden, einen steten Datenfluss erreichen und gemeinsam neue Systeme entwickeln», sagt Cassidy. Alle Beteiligten verstanden allmählich, dass die Erstellung eines Dashboards, das die Daten visualisiert, nur ein Teil der Lösung ist; erst wenn man mit dem gemeinsamen Fachwissen zusammenarbeitet, entfaltet der Zauber seine Wirkung.
«In dieser Phase begann das Team von Millier Milling, sich uns gegenüber wirklich zu öffnen. Sie erklärten uns ihre langfristige Vision, wie ihre Kunden von der Digitalisierung profitieren würden. Die Gespräche darüber, wie wir das Ziel erreichen und ihr Partner in diesem Prozess sein wollten, waren sehr offen», sagt Martinez.
Sowohl Nisshin Groups, die Muttergesellschaft, als auch Miller Milling sind der Meinung, dass der Einsatz von IT in der Mühlenindustrie weit hinter anderen Branchen zurückliegt und wir nur durch die Entwicklung von IT in der Lage sein werden, ein erfolgreiches Geschäft aufzubauen und zu einer nachhaltigen Gesellschaft beizutragen.
Daisuke Ito,
Miller Milling Director of Engineering
Als Nächstes kam der Implementierungsprozess, der sowohl auf Unternehmensebene als auch unter Berücksichtigung der spezifischen Anforderungen der einzelnen Werke ablaufen musste. Die 13 Mühlen von Miller Milling sind auf fünf Standorte verteilt, drei in Kalifornien, eines in Winchester, Virginia und eines in Saginaw, Texas. Jedes Werk arbeitet mit verschiedenen Mehlsorten und bedient unterschiedliche Märkte. Als Gespräche mit den verschiedenen Standorten stattfanden, weitete sich die Vision aus. «Wir fingen an, die Probleme zu verstehen. Ein Problem für Miller Milling ist zum Beispiel, dass ihre Kunden nicht wissen, wann das Mehl in ihren Betrieben ankommt, weil es in Kalifornien viel Verkehr gibt. Es wäre von Vorteil, wenn sie innert eines 30-Minuten-Fensters eine Nachricht erhielten, damit sie sich vorbereiten können», sagt Martinez. Bühler führt derzeit einen Pilotversuch im Werk in Los Angeles durch, um LKW-Daten in das System einzubeziehen, das Informationen rund um den Transport liefert. Veränderungen bringen jeweils einiges durcheinander und können bei den Mitarbeitenden Ängste auslösen.
Jedes Unternehmen, das sich auf die Art von kulturellen Veränderungen einlässt, die Miller Milling in Betracht zog, muss seine Belegschaft mit ins Boot nehmen. Das Team von Bühler wurde Teil dieses Prozesses. Die ersten Gespräche fanden auf Konzernebene statt, aber Cassidy und Martinez erkannten, dass es wichtig war, dass die Mühlenbetreiber selber sahen, wie sie von der Digitalisierung profitieren.
«Wir wollten kein System, von dem nur die Chefetage profitiert. Deshalb haben wir Workshops mit den Operateuren, den Obermüllern und all denjenigen, die den täglichen Betrieb erleben, veranstaltet und uns darauf konzentriert, ihnen zu zeigen, wie sie profitieren können», sagt Cassidy. «Wir wollten dem Ganzen eine persönliche Note verleihen, indem wir mit ihnen direkt sprachen, und sobald sie den Nutzen für sich selber verstanden hatten, nahm das Ganze eine positive Dynamik an. Jetzt sagen sie sogar, dass sie sich ein Leben ohne das neue System nicht mehr vorstellen können.»
Von diesen Gesprächen profitierte auch das Team von Bühler. Das Feedback der Operateure an der Front brachte ein besseres Verständnis für den praktischen Nutzen der Digitalisierung. Ein Beispiel war ein Anlagenbediener im Werk in Texas, der die erste halbe Stunde eines Schichtwechsels normalerweise damit verbrachte, herauszufinden, was über Nacht passiert war. Bühler Insights lieferte nun die ganze Nacht hindurch Informationen in Echtzeit, sodass das nicht mehr nötig war.
Cassidy und Martinez betonen, dass dies erst der Anfang der Geschichte sei. Sie sind bereits mit Logistikunternehmen im Gespräch bezüglich der Daten von LKWs und sie denken darüber nach, wie man die Technologie nutzen könnte, um die Anzahl der Stunden, die LKWs auf der Strasse verbringen, zugunsten der Nachhaltigkeit reduzieren könnte.
Es gibt auch Möglichkeiten, sich mit der landwirtschaftlichen Seite der Gleichung zu befassen. «Wir sind noch nicht so weit, aber wir machen bereits jetzt einen grossen Schritt in die richtige Richtung», sagt Martinez.
Die Reise mit Miller Milling hat eben erst begonnen. «Wir hören jetzt nicht auf, weil der Kunde das Potenzial der digitalen Konnektivität erkannt hat. Wir stossen jetzt mit voller Kraft in andere Bereiche vor; es ist der Kunde, der weiter vorankommen will», sagt Cassidy.
Die Miller Milling Company mit Hauptsitz in Minneapolis verfügt über 13 Mühlen, verteilt auf fünf Werke in:
Gupfenstrasse 5
Uzwil
9240
Schweiz