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Auf den Spuren des RimoMalt
Die Geschichte des Bühler RimoMalt beginnt dort, wo andere Urlaub machen. Und wo Johannes Kolb, Sales Manager Malting & Brewing, sich eine Frage gestellt hat, die den Zeitgeist und den Blickwinkel des Kunden in der Mälzerei kaum besser treffen könnte.
Kerstin Rosner, 1. Juni 2021
Wir schreiben das Jahr 2019, als im August in Uzwil, Schweiz, die Vorbereitungen zu den Bühler Networking Days in den letzten Zügen sind. Die Tage zwischen dem «Inspire our People» - und dem grossen Kundenevent nutzt Johannes, um in den schönen Appenzeller Bergen zu wandern. «Dabei musste ich immer wieder über eine Sache nachdenken: Wir bezeichnen uns als Mälzereianlagenlieferant Nummer eins, haben aber nur grosse Mälzereianlagen.» Vor allem für mittelständische und kleinere Unternehmen ist Bühler zu diesem Zeitpunkt keine Option - und das, wo der Craft Markt aktuell stark wächst.
Damit war der Startschuss für RimoMalt gefallen. Das Thema liess Johannes nicht mehr los. «Ich musste immer wieder darüber nachdenken, was die ideale Lösung für kleinere Batchgrössen wäre, und wie sie realisierbar ist.» Diese Lösung sollte erschwinglich und effizient sein, sodass sie allen Anforderungen gewachsen wäre. Und mehr als das: Am besten sollte sie mit den Anforderungen der Kunden wachsen können, also möglichst nachhaltig sein.
Nachhaltigkeit war der Grundgedanke des Produkts. Denn aktuell werden Unmengen an Getreide rund um die Welt transportiert, wobei das Malz auch direkt dort hergestellt werden könnte, wo es benötigt wird und Gerste meist ohnehin wächst. Diese Regionalität ist ein wichtiger Ansatz, wenn es um Energie- und CO2-Einsparungen geht. Unnötige Transportwege können vermieden werden, was nicht nur gut für die Umwelt ist, sondern im Regelfall auch Kosten einspart.
Bereits Anfang September ging Johannes mit seinem groben ersten Entwurf auf Aryna Jelinek, Project Engineer Mechanical, zu. Damaliger Arbeitstitel der Mälzereilösung: CraMa (Craft Malting). Aryna begann gleich damit, die Entwürfe in 3D zu realisieren. «Johannes war Feuer und Flamme. Er war auf den Weg in den Urlaub in die Toskana, als er mir von unterwegs Fotos seiner handgezeichneten Entwürfe schickte», erzählt sie.
«Wir waren am Castel del Piano in der Toskana, als meine Freundin Sandra mir dabei half, meine Ideen auf Papier zu bringen. Auf der Basis habe ich meine Idee unserer Intellectual Property Managerin Marion Michel vorgestellt. Sie war begeistert von dem Prototyp, den Sandra für mich gebastelt hat», sagt Johannes.
Daraufhin ging es schnell. Im Oktober 2019 wurden Manuel Kindle, Head of Malting and Brewing, sowie Reto Rechsteiner, Head of Business Excellence, involviert. Anfang November fand bereits eine Vorstellung des neuen Konzepts bei Mike Häfeli, Head of Grain Quality & Supply, statt. Das Patent für die neue Lösung wurde noch im Dezember 2019 aufgesetzt und am 13. Februar 2020 am Europäischen Patentamt eingereicht. Nur dadurch konnte der Schutz des RimoMalt-Konzepts sichergestellt werden. Um den M2M-Prozess Ende Januar zu starten, wurde unter anderem ein Business Plan und ein Lastenheft erstellt.
Im März 2020 wurde Karl Jelinek, Lead Quotation Engineer, Teil der grossen Reise. In diesem Zuge wurden Verkaufsdokumente erstellt und Zuliefererteile angefragt. Letztere sind wichtig für die Preis- und Lieferzeitkalkulation.
Schliesslich fehlte nur noch ein Produktname. Der Arbeitstitel CraMa war zwar einfach zu merken, aber international schwierig zu kommunizieren. Bei zahlreichen Gesprächen diskutierten Manuel Kindle, Johannes Kolb und das Marketingteam von GQ verschiedenste Ideen. Die Entscheidung fiel letztlich auf Namen von Bergen für alle künftigen Mälzerei- und Brauereiprodukte.
«Das hat vielerlei Gründe», sagt Manuel Kindle. «Wir stehen an der Spitze von Innovation und Nachhaltigkeit, quasi auf dem Gipfel. Manchmal ist der Weg für den Kunden zu einer Lösung nicht klar und einfach, aber wir haben das Wissen und die Erfahrung, um ihn sicher ganz nach oben zu navigieren. Und wie auch Berge, die schon seit Jahrtausenden bestehen, sind unsere Produkte langlebig und für die Ewigkeit gemacht.» Aus verschiedenen Namensvorschlägen entschied sich das Team für Rimo.
Rimo ist ein Gebirgsmassiv in Indien das auch sechs einzelnen Rimo-Bergen besteht (Rimo I – Rimo VI). Somit die perfekte Metapher für die Modularität der Lösung. Der RimoMalt war geboren.
«Ein weiterer Meilenstein war der Conception Workshop im Juli 2020», erinnert sich Johannes Kolb. Der Workshop dauerte zwei Tage und basierte auf dem FMEA-Konzept. FMEA steht für Failiure Modes and Effects Analysis (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse). Es ist der Prozess der Überprüfung von möglichst vielen Komponenten, Baugruppen und Subsystemen innerhalb eines neuen Produkts, um potenzielle Fehlermöglichkeiten in einem System und deren Ursachen und Auswirkungen zu identifizieren.
«Wir wollen gewährleisten, dass der RimoMalt die beste Craft-Mälzerei-Lösung auf dem Markt ist», erklärt Johannes. Daher gibt es seit dem Workshop bis heute zweiwöchentliche FMEA Expertentreffen, um den RimoMalt zu optimieren. Mit dabei sind dort immer Robert Harrer, Team Manager Project Execution, Franz Götz, Key Account and Relationship Manager, Berthold Klee, Head of Technology, Dominik Weber, Process Technology, Florian Müller, Project Manager, Florian Stöckl, Elektroingenieur Automation R&D, Marc Helmers, Product Manager, und Johannes Kolb.
Während die Entwicklung und Optimierung des RimoMalts auf Hochtouren liefen, wurde bereits der grosse Launch am 23. März 2021 zur Bühler Virtual World geplant. In der Bühler Virtual World können Kunden ganz einfach die Modularität des Systems erkunden. Johannes Kolb selbst präsentierte die Lösung und nahm potenzielle Kunden und Interessenten mit auf den Rundgang durch den ersten virtuellen RimoMalt.
Bereits einen Monat später, verkündete die Geschäftseinheit Malting & Brewing den ersten Erfolg auf dem Markt. Die Regiomalz AG, ein Start-up aus dem Kanton Thurgau in der Schweiz unterzeichnete eine Absichtserklärung (Letter of Intent) mit Bühler. Die vier jungen Männer wollen den ersten RimoMalt bauen.
Genaue Planungen für die Realisierung des Projekts der Regiomalz AG sind bereits im Gange. Gemäss Manuel Kindle, Head of Malting & Brewing ist Bühler Entwicklungspartner von Regiomalz: «Das heisst, wir helfen dem Start-up mit Knowhow und Anlagenkompetenz, dürfen im Gegenzug aber dieses Projekt als Referenzanlage nutzen und sie anderen interessierten Kunden zeigen.» Und so entsteht in nicht einmal zwei Jahren Entwicklungszeit aus der Idee auf dem Papier bald ein reales Produkt, das weltweit die Mälzereibranche bereichern wird.
Gupfenstrasse 5
Uzwil
9240
Schweiz