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Legria startet durch
Die Eingebung für eine Idee kommt in der Regel aus heiterem Himmel. Diese in ein marktreifes Produkt umwandeln, ist Schwerarbeit. Mary Olwal und Carsten Petry haben die letzten fünf Jahre mit viel Durchsetzungswillen, cleverem Vorgehen und Leidenschaft ein Lebensmittelzusatz zur Marktreife gebracht. Legria wird aus einem Nebenstromprodukt aus dem Bierherstellungsprozess gewonnen und ist deshalb äusserst nachhaltig. Zeit, das Erreichte Revue passieren zu lassen und nach vorne zu schauen.
Norbert Jenal, 1. Juni 2021
Als Carsten zum ersten Mal vom Abfallprodukt des Biertrebers hört, ahnt er nicht, dass er eines Tages CEO der Circular Food Solutions AG, eines Bühler Spin-Offs, sein wird. «Koni Kunz, ein Kollege und Hobby-Bier-Brauer, erzählte mir, wie nährstoffreich dieses Nebenstromprodukt aus der Bierbrauerei ist.» Auch Mary kommt mit dem Produkt, das bisweilen nur für die Tiermittelproduktion verwertet wird, zufällig in Berührung.
Vor sechs Jahren nimmt sie und Carsten an der Weiterbildung Master of Bühler Management (MBM) teil. Ihre Projektgruppe wollte ein Produkt erfinden, dass Lebensmittel gesünder macht und den Zuckergehalt in Backwaren reduziert, und zum anderen nachhaltig bestehende Ressourcen nutzt und aufwertet. Damals dachten beide, dass es sich nur um eine theoretische Projektidee handelt, die anlässlich des MBM dem EB vorgestellt wurde.
«Wir alle gingen wohl davon aus, dass unsere Idee in einem Dokumentarchiv verstauben oder bestenfalls in einem Geschäftsfeld weiterentwickelt würde. Nicht in meinen kühnsten Träumen hätte ich gedacht, dass daraus eine Firma entstehen würde», sagt Mary, die während der Projektphase bei Bühler als Head of Customer Project Controlling arbeitete. Eine Aufgabe, mit der ein grosses internes Netzwerk über Geschäftsfunktionen, Hierarchien und Länder einhergeht.
«Diese Verbindungen waren für das Projekt Legria von grossem Vorteil.» Der studierte Ingenieur Carsten seinerseits, arbeitete bis letzten November als Product Manager Nutrition. Seitdem leitet er als CEO das Bühler Spin-Off Circular Food Solutions AG. «Als Student spielte ich immer wieder mit dem Gedanken, ein eigenes Unternehmen zu gründen, habe es aber nie in die Tat umgesetzt. Das es trotzdem so weit gekommen ist, zeigt mir, wie besonders und grossartig Bühler als Unternehmen ist.»
Nicht in meinen kühnsten Träumen hätte ich gedacht, dass daraus eine Firma entstehen würde.
Mary Olwal,
CFO Grains & Food
Seit dem 19. Mai gibt es am Standort Uzwil in allen Personalrestaurants ein neues Brot im Sortiment. Das Bühler Brot enthält dank dem Legria Zusatz fünf Prozent Fasern und zwölf Prozent Proteine. Zum Vergleich; ein herkömmliches Brot enthält nur die Hälfte an Fasern und nur knapp neun Prozent Eiweiss. Dank Legria ist das Brot gesünder, länger haltbar, schmackhafter und, da Legria ein Abfallprodukt des Bierherstellungs-prozesses ist, auch nachhaltig.
«In der Lebensmittelbranche gibt es viele Herausforderungen zu bewältigen. Mit Legria sind wir ein Teil der Lösung», sagt Carsten, «denn Circular Food Solutions AG betreibt mit dem Produkt Upcycling.» Legria auf Gerstenmalzbasis ist ein hellbraunes, sehr feines Pulver, das sich von anderen pflanzlichen Zutaten unterscheidet. Dem Bühler Brot sind fünf Prozent Legria beigemischt. Es kommen zwei Legria Varianten zum Einsatz. Die ballaststoff- und proteinreichen Legria-Variante wird auch in der Fleischersatzproduktion, für Snacks oder Müsliriegel verwendet.
Ein grosses Marktpotenzial sieht Carsten in einer zweiten Legria-Variante, die es ermöglicht, den Zuckergehalt in Backwaren, Waffeln, Haselnussaufstrichen oder Frühstückscerealien, um die Hälfte zu reduzieren. «Und das alles, ohne Kompromisse bei Textur und Geschmack einzugehen», fügt Carsten bei. Bei der Herstellung von Legria wird die Stärke ausgewaschen, das Produkt ist zuckerarm und enthält zudem einen hohen Anteil an B-Vitaminen, Kalzium und Mikronährstoffen wie Eisen, Magnesium und Zink. Ausserdem fördert der vegane Zusatz die Darmgesundheit. Im Laufe der frühen Projektphase wird dem Team rund um Mary und Carsten klar, dass ein solches Produkt in der sich veränderten Lebensmittelindustrie ein gutes Marktpotenzial hat.
Nach dem erfolgsversprechenden MBM erhielten Mary und Carsten die Chance, an der MassChallenge teilzunehmen. Diese haben sie zwar nicht gewonnen, aber sie realisierten, dass ihre Idee grosses Potenzial hat. Die Bestätigung seitens Bühler, insbesondere auch von CTO Ian Roberts und CEO Grains & Food Johannes Wick, ermunterte die zwei, noch eine externe Meinung einzuholen. Kein geringerer als Givaudan – ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Geschmack und Wohlbefinden – hat sich bereit erklärt, Legria zu testen.
«Jetzt wussten wir, dass unsere Idee lebensfähig ist», sagt Mary und ergänzt, «für mich war das der Moment, als ich mir sagte: Jetzt will ich sehen, wohin das führt.» Auch für Carsten war dies der entscheidende Moment. «Givaudan bestätigte uns, dass Legria eine Lücke in ihrem Sortiment füllen würde. Diese Bestätigung und die Tatsache, dass Bühler auch hinter der Idee stand, zeigte uns das Geschäftspotenzial.» Ein anderer Partner fand sich in der holländischen Familienbrauerei Royal Swinkels Familiy Brewers. Zusammen mit der Brauerei gelang es Mary und Carsten, eine innovative Verarbeitungs- und Anwendungslösung zu entwickeln.
Aus dem Biertreber ist heute eine Zutat entstanden, die 54 Prozent Fasern und 20 Prozent Proteine enthält. Im Nachhinein hört es sich relativ simpel an, doch ohne den unermüdlichen Einsatz der beiden, wäre das Projekt nicht durchgestartet. Es versteht sich, dass während der Projektphase Mary und Carsten ihren Aufgaben bei Bühler die volle Aufmerksamkeit widmen mussten. An ihrer Geschäftsidee und dem Businesskonzept arbeiteten sie in ihrer Freizeit. «Zwischen den beiden Aufgaben hin und her zu jonglieren, war eine grosse Herausforderung, die viel Energie erforderte», resümiert Mary rückblickend.
Givaudan bestätigte uns, dass Legria eine Lücke in ihrem Sortiment füllen würde. Diese Bestätigung und die Tatsache, dass Bühler auch hinter der Idee stand, zeigte uns das Geschäftspotenzial.
Carsten Petry,
CEO Circular Food Solutions AG
«Vor einer Gruppe zu präsentieren, zu der mit Calvin Grieder der VR-Präsident von Bühler und Givaudan sowie der CEO und CTO von Bühler gehören, ist etwas ganz Besonderes. Ich bin sehr stolz, dass Mary und ich es geschafft haben, Legria überzeugend vorzustellen.» Heute schauen beide sehr positiv auf die unzähligen Präsentationen zurück, die sie während der fünfjährigen Projektphase hatten.
Carsten erinnert sich an Präsentationen, an denen sie stark gefordert wurden und an denen die Feedbacks negativ ausgefallen sind. «Gerade in solchen Momenten sind Durchhaltewillen und Resilienz unerlässlich.» Der Präsentation vor der UBIF ging eine intensive und nervenaufreibende Vorbereitungszeit voraus, erinnert sich Mary: «Für Carsten und mich stand viel auf dem Spiel, aber vor der UBIF zu stehen, war bestimmt der Höhepunkt meiner Legria-Reise. Die Erwartungen waren hoch und die Rückfragen waren herausfordernd.» Ausschlaggebend für den Erfolg einer jeden Präsentation sei eine sehr gute Vorbereitung, kennen der Fakten, der Identifikation mit den Entscheidungsträgern sowie der Grundlagenarbeit hinsichtlich der Erwartungen der Stakeholder.
Doch auch der persönliche Bezug müsse einfliessen. Schon bei der allerersten Präsentation am Ende des MBM brachte die damalige Projektgruppe selbst gemachte Produkte mit dem Legria Zusatz mit zum Probieren. «Das haben wir während dem gesamten Legria Zyklus gleich gemacht. Für die UBIF (Urs Bühler Innovation Fund) kreierten wir sogar ein Drei-Gänge-Menü und haben es ihnen serviert», lacht Mary schelmisch. Wie man jetzt weiss, ist die Strategie aufgegangen. Ob die Kulinarik den ausschlaggebenden Impuls für die Unterstützung zur Firmengründung gegeben hat, lässt sich nicht belegen. Sicher ist, mit Mary und Carsten haben zwei Menschen zusammengefunden, die sich gut ergänzen.
Als klar wurde, dass aus der Idee ein marktfähiges Produkt entstehen soll, mussten Mary und Carsten ihre Rollen finden. Bis zu einem gewissen Punkt entwickelten sich diese auf natürliche Weise. Es gab jedoch immer wieder Momente, in denen die zwei offen zueinander sein und bewusst entscheiden mussten, wer eine bestimmte Tätigkeit am besten ausführen kann. Immer mit dem Ziel, Legria erfolgreich zu machen. Mary kümmerte sich um die Finanzen, machte PR, managte die Stakeholder und war für die Strategie zuständig.
«Ich sah mich als Rapperin, Köchin und wenn man so will, als advocatus diaboli», schmunzelt Mary. Natürlich haben die zwei vieles gemeinsam gemacht und es brauchte einige Zeit, bis sie ihre Rollen gefunden haben. «Ich bin ein Teamplayer und von uns zweien auch der ruhende Pol. Mit meinem beruflichen Hintergrund interesseire ich mich für die technischen Fragen und fühle mich wohl in der Kommunikation mit den Kunden», sagt Carsten. Fünf Jahre arbeiteten Mary und Carsten hart an der Innovation von Legria. Beide sehen im Produkt ihr Baby, dass sie mit viel Hingabe zum Gehen gebracht haben.
Ich durfte Teil dieses wunderbaren Projekts sein und Legria wird immer ein Teil von mir bleiben.
Mary Olwal,
CFO Grains & Food
Für Mary ist aber der Zeitpunkt gekommen, einen neuen Weg einzuschlagen. «Die Entscheidung, Legria zu verlassen, ist mir nicht leichtgefallen, doch Gelegenheiten kommen oft, wenn man sie am wenigsten erwartet.» Seit März verantwortet Mary als CFO die Finanzen des Bereichs Grains & Food. «Mit dieser Position erhalte ich die Chance, Themen mitzugestalten, die mir am Herzen liegen. Diese Herausforderung habe ich sehr gerne angenommen.» Abschliessend sagt sie aber auch: «Ich durfte Teil dieses wunderbaren Projekts sein und Legria wird immer ein Teil von mir bleiben.»
Der frischgebackene CEO Carsten musste also eine Person finden, die ihn bei der aktuellen Herausforderung in der Marktbearbeitung tatkräftig unterstützt. Gefunden hat er diese in Friedrich Witschi, seines Zeichens Head of Global Technology CF bei Bühler. Fred, wie ihn alle nennen, bringt dafür sehr gute Voraussetzungen mit. Er war in seiner beruflichen Tätigkeit über 20 Jahre in der Produkteherstellung tätig und er bringt viel Erfahrung im Supply Chain Management mit.
Seit Mai ist er bei Circular Food Solutions AG für die Kundenakquise zuständig. Natürlich reizt es den gelernten Ingenieur auch an der neuen Technologie zu arbeiten und er sieht in dem Produkt ein grosses Potenzial. «Während der Pandemie haben sich die Essgewohnheiten und das Interesse für Nährwerte verändert. Neu werden Nahrungsmittel mit der freiwilligen Kennzeichnung Nutriscope gekennzeichnet.» Mit dem Wechsel zu Circular Food Solutions AG sieht er auch die Möglichkeit die Zukunft des Start-Up mitzugestalten. Doch das Ganze hat auch einen viel persönlicheren Hintergrund.
«Mit Legria betreiben wir Upcycling und sind deshalb sehr nachhaltig. Ich habe drei Kinder im Alter von 12 und 15 Jahren. Mit dem Produkt Legria sehe ich die Chance, die Umwelt aktiv zu schonen. Das bin ich meinen Kindern schuldig.» Carsten sieht das ebenso. Als CEO muss er jetzt aber auch dafür sorgen, dass das Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich wird. «Es ist ein bisschen wie das Huhn-und-Ei-Phänomen», schmunzelt er. «Wir haben ein gesundes, veganes, nährstoffreiches und nachhaltig produziertes Produkt. Jetzt geht es darum, die richtige Menge Legria zu produzieren und den Markt zu erschliessen, der diese Menge abnimmt. Die ersten drei Jahre wollen er, Fred und ihre Partner rund 8’000 Tonnen Legria auf den Markt bringen. Das Bühler Brot ist ein Beispiel, wie man mit einer innovativen Idee und einer guten Partnerschaft ein Nebenstromprodukt aufwerten und in das Nahrungsmittelsystem zurückführen kann.
Gupfenstrasse 5
Uzwil
9240
Schweiz