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Porträt Hans Tschudin
Hans Tschudin hat viel von der Welt gesehen. Als Monteur arbeitete er in vielen verschiedenen Ländern und war danach während 23 Jahren am Hauptsitz in Uzwil für die Monteure weltweit zuständig. Am 1. April 2021 ging er nach 49 Jahren und 352 Tagen bei Bühler wohlverdient in Pension.
Ariane Stillhard, 31. März 2022
Als Hans Tschudin im April 1971 auf Wunsch seines Vaters die Lehre als Mühlenbauer bei Bühler begann, konnte er nicht ahnen, dass er die nächsten 50 Jahre seines Lebens bei der gleichen Firma verbringen wird. Einige Jahre nach dem erfolgreichen Abschluss seiner Lehre und der Umschulung zum Monteur, durfte Hans Tschudin als Jungmonteur für Bühler in Saudi-Arabien eine Anlage in Betrieb nehmen. Eineinhalb Jahre lang lebte er vor Ort beim Kunden. Damals waren die Regeln noch sehr streng und ein Besuch zu Hause war erst nach sechs Monaten erlaubt.
Zurück in der Schweiz, heiratete er sofort. Seine Beziehung hatte er über die gesamte Zeit in Saudi-Arabien mit Briefen aufrechterhalten. «Es war eine Hochzeit für Bühler», wie er mit einem Schmunzeln meint, «so konnte meine Frau immer mitkommen». Zusammen mit seiner Frau, ging er in die USA und arbeitete dort für ein Jahr. Danach wurde er nochmals für eineinhalb Jahre nach Saudi-Arabien geschickt. «Meine Frau sagt heute noch, dass es der schönste Ort ist, den sie je gesehen hat», so Hans Tschudin.
Es war eine Hochzeit für Bühler, so konnte meine Frau immer mitkommen.
Hans Tschudin,
Bühler Jubilar und Pensionär
Die folgenden 13 Jahre verbrachten Hans Tschudin und seine Frau in England, wo ihm die Arbeit sehr gut gefiel. «In England durften wir jeweils die neusten und modernsten Technologien installieren», sagt er. Als sein Sohn das Schulalter erreichte, zog die ganze Familie zurück nach Uzwil. Natürlich wollte Bühler einen erfahrenen Monteur wie Hans Tschudin es war, nicht an die Konkurrenz verlieren. Dank einer Reorganisation hatte er die Möglichkeit, die weltweite Montage-Koordination zu übernehmen. Er führte diese mit seinem Wissen und seiner ausgeprägten Menschenkenntnis bis im Frühling 2021.
Die Installation einer Mühle in Schottland war einer der persönlichen Höhepunkte für Hans Tschudin. Es war das erste Mal, dass Hans Tschudin als Chef-Monteur auf einer Baustelle war. Es kamen immer wieder zusätzliche Arbeiten und kleine Probleme dazu. Daraus entwickelte sich ein beliebter interner Kosename für die Mühle: aus «Chancelot» wurde «Change a lot».
Am Ende konnte die Mühle jedoch rechtzeitig fertiggestellt werden und es fand eine grosse Zeremonie zu Ehren der Mühle und der am Projekt Beteiligten statt. «Während der Zeremonie ging ich seelenallein um die Mühle herum und stellte sicher, dass alles einwandfrei funktioniert. Das war einer der schönsten Momente», erinnert sich Hans Tschudin.
Ricardo Schäfer, Site Manager
«Da Hans selbst einmal Baustellen geleitet hat, wusste er Wichtiges vom Unwichtigen zu unterscheiden. Er hatte immer ein offenes Ohr für unsere Belange (musste aber erst den ersten Kaffee getrunken haben). Durch seine lange Zugehörigkeit bei Bühler wusste er genau, welche Kontakte zu welchem Fall die Richtigen waren, um die Wende zu bringen. Hans hat sich immer für unsere Belange eingesetzt, das sieht man leider erst wenn jemand nicht mehr da ist. Ich wünsche Hans viel Gesundheit und viel Freude an seinen Hobbies.»
Oft kamen Mitarbeitende und sagten, «schick hier noch einen und da brauchen wir noch einen». Dann antwortete Hans Tschudin jeweils: «Wir arbeiten hier mit Menschen und nicht mit einer Ware, man kann sie nicht einfach herumschieben.» Dass genau Hans Tschudin, der selbst viele Jahre als Monteur in der ganzen Welt unterwegs war, diese Position in der Montageabteilung übernommen hat, war ein grosses Glück für die Monteure sowie auch für Bühler.
Mario Franke, Site Manager
«Ich kenne Hans seit 2004. Damals habe ich noch für eine Fremdfirma im Auftrag von Bühler gearbeitet. 2008 bin ich dann direkt zu Hans in die Montageabteilung gewechselt und habe diesen Schritt nie bereut – das ist auch ein Verdienst von Hans. In meinen Augen hat er den Wert «Bühlerfamilie» gelebt und nach aussen getragen. Er war nicht nur ein Vorgesetzter, sondern immer auch ein geschätzter Kollege, der sich seinen Ruf und seine Position hart erarbeitet hat.
Ich fand es immer positiv, dass er aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Monteur schöpfen konnte und sich damit in die Lage der Monteure versetzt hat. Ausserdem denke ich, dass seine Historie dazu geführt hat, dass er eine faire und beliebte Persönlichkeit ist, die sich immer für uns eingesetzt hat. Ich habe sehr gerne mit ihm zusammengearbeitet und seine Ratschläge und Unterstützung sehr geschätzt.
Diese Generation (dazu zähle ich mich inzwischen auch) hat durch Leistung und Menschlichkeit seine Ziele erreicht. An der Basis begonnen und «ganz oben» seine Arbeit beendet – meinen tiefsten Respekt dafür!»
Über all diese Jahre, war es Hans Tschudin wichtig, dass die Monteure auf der ganzen Welt einen Ansprechpartner haben. «Ich war an sieben Tagen die Woche während 24 Stunden erreichbar.» Hans Tschudin war ein regelmässiger Austausch mit seinen Mitarbeitenden in den verschiedenen Regionen sehr wichtig. «Man soll die Menschen nicht nur besuchen, wenn es ein Problem gibt, sondern wenn alles gut ist. Die Probleme kommen von selbst» so Hans Tschudin.
Obwohl er sein 50 Jahre Jubiläum um 13 Tage verpasst hat, ist eines sicher: Hans Tschudin hat sich seinen Ruhestand verdient. Und seit April war es ihm noch an keinem einzigen Tag langweilig.
Man soll die Menschen nicht nur besuchen, wenn es ein Problem gibt, sondern wenn alles gut ist. Die Probleme kommen von selbst.
Hans Tschudin,
Bühler Jubilar und Pensionär
Gupfenstrasse 5
Uzwil
9240
Schweiz