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Noëmi Kaufmann

Eine der Top Ten Tech-Frauen in der Schweiz 2022

Noëmi Kaufmann, Management Trainee und Projektmanagerin für Kreislaufwirtschaft, hat es auf die Liste der zehn gefragtesten Tech-Frauen in der Schweiz im Jahr 2022 geschafft. Mit ihrer wissenschaftlichen Denkweise und ihrem Sinn für Innovation ist Noëmi eine führende Kraft für Frauen in MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) und nachhaltiges Change Management bei Bühler und auch über die Grenzen des Unternehmens hinaus. Wir wollten von Noëmi wissen, was diese Anerkennung für sie bedeutet, wo sie die grössten Herausforderungen und Chancen sieht und was ihr Rat an junge Frauen ist, die eine Karriere im MINT-Bereich anstreben. 

  

Noëmi, du hast es soeben auf die Liste der Top 10 der Tech-Frauen in der Schweiz 2022 geschafft. Ist dein LinkedIn-Profil schon explodiert? 

Ich habe in der Tat viele positive Rückmeldungen erhalten, was sehr ermutigend ist. Dies ist auch eine Anerkennung für die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für unser Unternehmen, unsere Industrie und unsere Gesellschaft.

 

Du bist seit zwei Jahren bei Bühler als Management Trainee und Projektmanagerin für Kreislaufwirtschaft tätig. Kannst du uns mehr über deine Rolle erzählen und was dir an deiner Arbeit besonders gefällt? 

In meiner Rolle untersuche ich, wie wir bei Bühler mit unseren Technologien oder neuen Innovationen und durch unser Netzwerk von Kundinnen und Partnern zu einer besseren Kreislaufwirtschaft beitragen können und Bewusstsein für die Relevanz zu schaffen. Ein Teil meiner Arbeit bezieht sich darauf, was wir bereits heute tun können, und wie wir unser bestehendes Technologie- oder Prozess-Know-how nutzen können, um eine Kreislaufwirtschaft im Lebensmittelsystem zu ermöglichen. Das wird uns helfen unsere Firmenziele von 50% Abfall, 50% Wasser und 50% Energie in den Wertschöpfungsketten zu reduzieren. Ziel ist es, einen grossen Teil der Nebenströme von Produkten/Ressourcen, die mit Bühler Lösungen verarbeitet werden, durch die Verbindung mit unseren bestehenden Technologien oder Partnerschaften zu verwerten. Zwei gute Beispiele dafür sind das Upcycling von Biertreber zu Legria von Circular Food Solutions für Lebensmittel, oder Insektentechnologien, die Upcycling von verschiedenen Nebenströmen ermöglichen. Wir haben natürlich noch viele weitere spannende Beispiele in unseren Businesses. Der zweite Teil ist das Vorantreiben von Leuchtturmprojekten mit KundInnen, Start-ups oder Universitäten um neue Verwertungswege zu entdecken oder Biomasse aus anderen Märkten umzuwandeln. Die Vision ist, dass wir in Zukunft eine abfallfreie Lebensmittelproduktion realisieren können, bei der alles nachhaltig verwertet wird. 

 

Die Networking Days 2022 werden ein wichtiger Meilenstein sein, mit der Kreislaufwirtschaft als eines von acht Themen, die unsere Kunden inspirieren werden und Business Möglichkeiten kreieren. 

Bitte lasst mich wissen, wenn ihr Ideen für die Valorisierung von Nebenströmen für euer Departement habt oder bestehende Projekte, die Sie teilen möchten.

 

Was ist Kreislaufwirtschaft?

  • Die Kreislaufwirtschaft basiert auf drei Grundsätzen 1. der Vermeidung von Abfällen und Verschmutzung, 2. der Wiederverwendung technischer Materialien/Produkte und 3. der Anwendung regenerativer Praktiken. Bühlers Ziel ist es konkrete Projekte und Erfolgsgeschichten umzusetzen, um diese Prinzipien zu verwirklichen. 

Du hast für Start-ups gearbeitet und leitest jetzt Initiativen bei Bühler, einem grossen Unternehmen. Was sind die Unterschiede und wie können beide voneinander profitieren? 

Was mir bei meiner Arbeit in Start-ups am meisten gefallen hat, ist die Geschwindigkeit, mit der gute Ideen iterativ umgesetzt werden und mit der man schnell aus Fehlschlägen lernen kann. Auf der anderen Seite hat die Arbeit in einem Unternehmen wie Bühler den grossen Vorteil, dass sinnvolle Innovationen durch die Zusammenarbeit mit dem grossen Netzwerk bestehender Kunden in grösserem Umfang Wirkung entfalten können. Start-ups können von der Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmen und der Einbindung in deren Ökosystem profitieren, während Unternehmen von der kreativen und innovativen Denkweise der Start-up-Teams lernen. Ich finde es toll, dass Bühler dies durch die Partnerschaft mit MassChallenge bereits tut.  

 

Wie sieht deine Rolle als wissenschaftliche Beraterin der Materials Innovation Initiative (MII) aus, und kannst du aus deiner Arbeit bei der MII neue Impulse und Ansichten für Bühler einbringen? 

MII ist eine gemeinnützige Organisation, die Fachleute, Innovatoren und Unternehmen zusammenbringt, um die nächste Generation von Materialien für die Modeindustrie voranzutreiben. Das können zum Beispiel tierfreie Lederalternativen sein, die aus Ananasblattfasern hergestellt werden. Sowohl der Markt für Materialien der nächsten Generation als auch der Lebensmittelmarkt folgen denselben Trends (ohne tierische Produkte, nachhaltig, zirkulär), verwenden ähnliche Rohstoffe und können potenziell ähnliche Produktionstechnologien einsetzen. Als Expertin für Upcycling und Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft berate und unterstütze ich den MII-Vorstand. In dieser Funktion habe ich auch direkten Zugang zu innovativen Unternehmen, die landwirtschaftliche Nebenströme oder Technologien, die Bühler anbietet, nutzen können.

Du leitest die Initiative «Women in STEM » (Frauen in den MINT-Fächern) von Generation B, die mehr Mädchen und Frauen für den technischen Bereich begeistern soll. Wie ist «Women in STEM» bei Bühler organisiert und wo siehst du das grösste Verbesserungspotenzial?  

Women in STEM startete im Jahr 2020. Zusammen mit meinen Co-Leiterinnen Sabrina Würsch und Corinne Schneider haben wir das Team auf 30 Botschafterinnen auf fünf Kontinenten erweitert, motiviert über unsere gemeinsame Passion für MINT.  Wir arbeiten in drei Richtungen. Wir inspirieren mehr Mädchen, eine Zukunft im MINT-Bereich in Betracht zu ziehen, indem unsere Bühler Vorbilder ihre Karrieren in Schulen vorstellen. Wir unterstützen die Rekrutierung weiblicher Talente durch unser monatliches Porträt von weiblichen Bühler Ingenieurinnen, Auszubildenden und Technikerinnen oder arbeiten mit Universitätsverbänden rund um den Globus zusammen. Wir organisieren zwei globale Veranstaltungen pro Jahr, bei denen wir das Bewusstsein für die Bedeutung von Diversity & Inclusion in der MINT-Branche schärfen, zum Beispiel die Veranstaltung mit Microsoft im November 2021. 

Bühler hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 einen Anteil von 30 % weiblicher Mitarbeiterinnen zu erreichen, welches wir mit unserer Initiative mit unserem höchsten Bestreben unterstützen wollen. In den kommenden Jahren sollten wir noch mehr weibliche Talente anziehen und unsere Bemühungen vervielfachen, die grossartigen Talente, die wir haben, zu behalten. Dies werden wir nur mit der Unterstützung vieler unserer männlichen Kollegen erreichen.  

Wenn auch du aktiv werden willst, komm auf uns zu, egal wo bei Bühler. Wir wollen deine Ideen hören und dich dabei unterstützen, die grösstmögliche Wirkung in deiner Region zu erzielen. Schreib mir einfach oder besuche unsere GenB-Seite. 

 

Dein Leben ist sehr vielfältig und aufregend – wie schaltest du ab?

Ich entspanne mich, wenn ich mit Freunden oder der Familie zusammen bin, in der Natur oder bei gutem Essen. Im Winter steht der Spass auf der Piste und in den Bergen ganz oben auf meiner Prioritätenliste! Wenn ich etwas mehr Ruhe brauche, übe ich viel Musik, singe alleine und im Seefelder Kammerchor Zürich. Es gibt keinen einzigen Tag, an dem ich nicht Musik höre. Das macht meinen Kopf frei.  

 

Was rätst du jungen Mädchen in der Ausbildung, die über eine Karriere im MINT-Bereich nachdenken?

Habt keine Angst vor irgendetwas. Glaubt an eure Träume und an eure Fähigkeiten. Folgt eurer Neugierde, ihr könnt alles erreichen, was ihr wollt! MINT ist cooler, mehr als frau vielleicht denkt! Es geht um Zusammenarbeit, um Teamwork, ihr baut einen Teil eurer eigenen Zukunft mit auf und ihr werdet jeden Tag Spass am Lernen haben. 

  • Lesen Sie hier den Artikel über Noëmi und neun weitere inspirierende Frauen in der Schweiz, die 2022 in der Tech-Branche einiges bewegen werden.
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