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Ponera

Das Spiel neu definieren

Als Ponera 2018 die ersten Patente für ihre intelligente modulare Mehrweg-Industrieverpackungslösung einreichten, wollten sie nichts weniger, als ein nachhaltigeres internationales Transportsystem schaffen. Drei Jahre später steht das Start-up kurz davor, die Art und Weise, wie die Industrie den Transport von Gütern betrachtet, grundlegend zu verändern – dank Hartnäckigkeit, Innovationsdrang und ein bisschen Hilfe von einem Freund. 

  

Die Fakten sind verblüffend. Wenn Maschinen von Bühler an Kunden in aller Welt versandt werden, kann die Verpackung bis zu 35 Prozent der Logistikkosten ausmachen. Weltweit machen Kisten und Paletten aus Holz 30 Prozent des globalen Holzverbrauchs aus, und 40 Prozent davon werden nur einmal verwendet. Hersteller von Industrieanlagen, darunter auch Bühler, verwenden Einmal-Holzkisten aufgrund der nicht standardisierten Verpackungsanforderungen hauptsächlich in der Ausgangslogistik. Abgesehen von den hohen Kosten und dem Holzverbrauch verursachen die Kisten, die 15 bis 20 Prozent des Gesamtgewichts der transportierten Waren ausmachen, auch erhebliche CO₂-Emissionen. Es überrascht nicht, dass der Transport von Frachtgütern sieben Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen ausmacht, während die Herstellung 17 Prozent ausmacht. 

Enormes Potenzial

Für Bühler ist das eine fantastische Gelegenheit, den Wandel anzustossen und die Nachhaltigkeitsziele zu beeinflussen. Diese Fakten brachten Matthew Reali 2018 auf die Idee, dass es doch intelligentere und nachhaltigere Lösungen geben müsse. «Ich arbeitete bei MLS (Manufacturing, Logistics and Supply Chain), wo wir die Chance hatten, Logistikkosten und negative Umweltauswirkungen durch die Konsolidierung von Abläufen, intelligente Prozesse und die Verbesserung globaler Verpackungsrichtlinien erheblich zu reduzieren und den Status quo in Frage zu stellen», erinnert er sich. 

«Aber unabhängig von den Effizienzgewinnen wurde der Gedanke, die Ursache zu beseitigen, zu einer Obsession, je länger ich darüber nachdachte. Unsere Mission war es, Einwegverpackungen abzuschaffen und von linearen zu zirkulären Modellen überzugehen», sagt er. Matthews Urteil war kristallklar: Das Transportwesen brauchte einen Umbruch auf globaler Ebene.  

Matthew Reali, Mitbegründer von Ponera. Matthew Reali, Mitbegründer von Ponera. Matthew Reali, Mitbegründer von Ponera.
Im Durchschnitt hat sich die Investition bereits nach weniger als vier Einsätzen der modularen Lösung gelohnt, und wir haben bereits ein Produkt, das zu 100 Prozent aus recycelten Materialien hergestellt werden kann.

Matthew Reali,
Mitbegründer von Ponera

Flexibilität ist Trumpf

Die Lösung? Ein modulares System, das für Herstellung, Transport und Komfort optimiert ist und die Prozessflexibilität erhöht, indem es die Wertströme standardisiert und aufeinander abstimmt und gleichzeitig die Effizienz und Nachhaltigkeit steigert. «Es erfüllt wirklich alle Voraussetzungen für einen intelligenteren, effizienteren und nachhaltigeren Warentransport. Nach durchschnittlich weniger als vier Einsätzen der modularen Lösung hat sich die Investition bereits gelohnt, und wir haben bereits ein Produkt, das zu 100 Prozent aus recycelten Materialien hergestellt werden kann», betont Matthew.

Aber das ist noch nicht alles. Das Verpackungsgewicht wird im Schnitt um 50 Prozent reduziert, was sich direkt in Kosteneinsparungen beim Versand niederschlägt. Weil die Verpackungsmodule so flexibel sind, wird fast der gesamte Platz von Standardcontainern und LKWs genutzt, und die Module benötigen im Vergleich zu Holz dreimal weniger Lagerfläche. In Anbetracht der aktuellen globalen Lieferkettenprobleme können Produktions- und Logistikunternehmen auf der ganzen Welt dank der kreislaufbasierten Lösung von Ponera besser schlafen. «Der Holzpreis ist während der Covid-19-Pandemie in die Höhe geschnellt und hat die Nachteile von Einweglösungen deutlich gemacht. Mit einem System, das auf kontinuierliche Wiederverwendbarkeit ausgelegt ist, gehört dieses Problem der Vergangenheit an», fügt er hinzu.

 

Die Module von Ponera bestehen den Test mit Bravour.

An Fahrt gewinnen

Im Jahr 2019 gründete Matthew zusammen mit Masoud Talebi Amiri das Start-up Ponera. Überzeugt vom Zweck und der Vision hinter Ponera stiessen Christian Rüegg und der Rest des Teams kurz darauf dazu. Ponera erlangte schnell Anerkennung als führendes innovatives Start-up im Bereich Cleantech und Logistik. Im Jahr 2019 stand Ponera an der International Physical Internet Conference im Final und wurde von ClimateLaunchPad als eines der beiden besten Schweizer Start-ups ausgewählt. Im Jahr 2020 gewann Ponera den IMD-Start-up-Wettbewerb, wurde vom Weltenergierat als eines der drei besten internationalen Start-ups für intelligente Mobilität ausgewählt, gewann den TIP-Preis für Logistikinnovationen und wurde in die Logistikverbände VNL und ALICE aufgenommen. 

Im Jahr 2021 hat sich die Dynamik nochmal verstärkt. Ponera erhielt Unterstützung durch den Kanton Tessin und die Schweizer Klimastiftung, hielt ein Impulsreferat am ChangeNow-Event, war Finalist bei AcceliCity und wurde unter die Top 10 der angesagtesten Start-ups der Schweiz gewählt. Darüber hinaus wurde Matthews Team von der Stiftung SolarImpulse als eine der 1000 effizientesten Lösungen zertifiziert und erhielt die ISO-Zertifizierung für 9001/14001.

Bühler war für uns als Start-up ein echter Türöffner. Wir konnten erste Versuche in der Werkstatt durchführen, gefolgt von Transporten von Bühler Uzwil zu Bühler Appenzell, um so viele Daten und Erfahrungen wie möglich zu sammeln.

Matthew Reali,
Mitbegründer von Ponera

Bühler öffnet mehr als nur die eigenen Türen

Neben dem Hauptsitz im Tessin (CH) hat sich das Team 2020 auch im Bühler CUBIC und im EPFL Innovation Park niedergelassen, um seine Vision zu entwickeln. Die disruptive Idee von Ponera erhielt einen wichtigen Schub, als Holger Feldhege, Chief Operating Officer bei Bühler, dem Beirat des Start-ups beitrat. «Die Tatsache, dass wir Holger Feldhege an Bord hatten, bedeutete nicht nur Zugang zu seinem unglaublichen Know-how, sondern verschaffte uns auch Glaubwürdigkeit auf dem Markt», erinnert sich Matthew. Bühler ermöglichte Ponera auch die Teilnahme an MassChallenge Schweiz, einem Accelerator-Programm für High Potential Start-ups.

Nachdem 2020 die ersten Prototypen erstellt, die erste industrielle Lieferkette aufgebaut und die Labortests und Tests im kleinen Massstab Anfang 2021 abgeschlossen waren, war Ponera bereit, im Mai 2021 mit den Pilotversuchen im grossen Massstab zu beginnen. In diesen drei Monaten war Ponera erneut auf dem Verpackungs- und Transportgelände von Bühler Uzwil zu Gast. 

«Für uns als Start-up war Bühler war ein echter Türöffner. Wir konnten erste Versuche in der Werkstatt durchführen, gefolgt von Transporten von Bühler Uzwil zu Bühler Appenzell, um so viele Daten und Erfahrungen wie möglich zu sammeln. Das Hauptaugenmerk lag darauf, unsere Annahmen zu testen, unser SOP (Standard Operating Procedure) zu verbessern und sofort einzugreifen, wo es nötig war, um ein grossartiges Produkt und Benutzererlebnis zu garantieren; auf dem Weg dorthin haben wir auch einige Fehler gemacht», sagt Matthew und lächelt. 

Schauen Sie sich das Video über Ponera an.

Skalierbare Auswirkungen

Es ist November 2021, und Matthew inspiziert einen Stapel Polymerelemente, die bereit sind, zusammengebaut und für ihre nächste Anwendung verwendet zu werden. «Wir haben gerade Pilotprojekte mit fünf Unternehmen durchgeführt. Die Ergebnisse liegen vor und bestätigen, dass sich die Investition bereits nach weniger als 3,5 Anwendungen amortisiert. Die CO₂-Rendite ergibt sich nach etwa 2,3 Einsätzen, und wir sind nicht weit von unserer ursprünglichen Berechnung von 98 Prozent der potenziellen Nutzung der Containerkapazität und der Reduktion des Holzverbrauchs entfernt», sagt er. 

Quo vadis, Ponera?

Da die Innovation von Ponera in der Verpackungsbranche immer mehr Beachtung findet, stellt sich die Frage, wie es für das Start-up weitergeht. «Wie bei jeder neuen Idee ist es wichtig, so schnell wie möglich zu expandieren, um die grösstmögliche Wirkung zu erzielen. Das Transportgeschäft hat ein enormes Potenzial für die CO₂-Reduktion. Wir haben heute 2000 Module, die etwa 300 Quadratmeter Verpackungskapazität erzeugen, und haben mit der Produktion von 2000 weiteren begonnen. Es ist geplant, bis Ende des ersten Quartals 2022 weitere 13 000 Module hinzuzufügen, da die Nachfrage von Verpackungs- und Produktionsunternehmen weiter steigt. Wir haben fantastische Möglichkeiten, einen wirklich positiven Wandel auf globaler Ebene herbeizuführen», fügt Matthew hinzu, bevor er sich auf den Weg zur nächsten Sitzung macht. Es fühlt sich wirklich so an, als würde der Traum von Ponera, eine ganze Branche mit einer intelligenten Verpackungslösung zu revolutionieren, wahr werden – ein Modul nach dem anderen.

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