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Portrait Margrit Benz-Ackermann
Als eine der ersten Frauen startete Margrit Benz-Ackermann 1953 eine Kaufmännische Lehre bei Bühler. Mit Fleiss, Biss und einer Portion Humor ergatterte sie sich nicht nur eine Lehrstelle, sondern reiste auch in ferne Länder und war als Assistentin der Konzernleitung tätig. Mit heute 84 ist sie noch immer ein grosser Fan von Bühler. Von ihrer Hartnäckigkeit könnten wir uns wohl alle ein Stück abschneiden.
Bianca Richle, 15. September 2021
Lehrerin, Kaufmännische Angestellte oder doch etwas ganz anderes? Was genau Margrit Benz – damals noch Ackermann – für einen Beruf erlernen sollte, wusste sie nicht so genau. Auf die Idee, die Lehre bei Bühler zu absolvieren, kam sie gar nicht erst, denn sie dachte, nur Jungen würden bei Bühler eine Lehrstelle erhalten. Doch der Französischlehrer sah ihr Talent, legte ein gutes Wort ein und so durfte Margrit Benz die Aufnahmeprüfung für eine KV-Lehre bei Bühler ablegen. Sie meisterte diese mit Bravour und hatte unerwartet einen Lehrvertrag in der Tasche. Inspiriert von diesem Erfolg wagte sich ein zweites Mädchen an die Prüfung und startete noch im selben Jahr die KV-Lehre gemeinsam mit Margrit Benz.
Als eine von ganz wenigen jungen Frauen fiel sie auf. Besonders wenn sie durch die Fabrik ging. «Das gefiel mir natürlich», sagt Margrit Benz mit einem Schmunzeln und ihre blauen Augen leuchten. «Ich hatte ein rotes Jäcklein und immer, wenn ich vorbeilief, fingen die Jungs an zu singen: «Die mit der roten Bluse...». Sie habe dies als Kompliment aufgenommen, so Benz. «Denn ich fühlte mich bei Bühler durchs Band sehr wohl, wurde mit Respekt behandelt und als Person ernstgenommen.»
Nach der Lehrzeit zog es Benz ein erstes Mal weg aus Uzwil. Sie absolvierte eine Sprachschule in Neuenburg. Mein ehemaliger Lehrmeister sagte: «Wenn du neben Französisch auch noch Spanisch lernst, kannst du für ein Jahr nach Madrid, sobald du mit der Schule fertig bist.» Das liess sich Benz nicht zweimal sagen. Und so arbeitete sie schon bald darauf in der Niederlassung von Bühler in Madrid. Zurück in Uzwil packte die Bauerstochter schon bald wieder das Fernweh. Sie entschied sich für eine Sprachschule in England. Dort sah sie in einem Magazin die Stellenauschreibung als Mehrsprachensekretärin bei Bobst in Lausanne, bewarb sich und wurde prompt eingestellt. Als sie für Bobst an die Interpack nach Düsseldorf durfte, liess sie es sich nicht nehmen, den Stand von Bühler zu besuchen: «Schon ein etwas mickriger Stand», neckte sie die ehemaligen Kollegen.
Elisabeth Hauri startete 1920 als erste weibliche Person eine Lehre bei Bühler. Zwischen 1920 und 1953 absolvierten fünf weitere Frauen eine Lehre als Copistin und eine junge Frau erlernte den Beruf der Laborantin. 1953 starteten erstmals zwei junge Frauen die Lehre als Kaufmännische Angestellte. Bis heute haben 936 Frauen eine Lehre bei Bühler absolviert, das sind etwas über 11 Prozent aller Lernenden, seit der Einführung der Lehre bei Bühler 1915. Aktuell sind exakt 16 Prozent aller Lernenden Frauen. Die Initiative Women in STEM hat unter anderem zum Ziel mehr Mädchen für technische Berufe zu begeistern, sodass der Anteil weiblicher Lernender bei Bühler in Zukunft hoffentlich weiter steigt.
Doch auch in Lausanne wurde ihr die Welt schnell zu klein. Nach einem Skiunfall landete sie per Zufall im gleichen Krankenzimmer wie die Gouvernante von Grace Kelly. Die monegassische Fürstenfamilie kam oft zu Besuch. Im Gespräch fand Benz heraus, dass die Familie Wurzeln in Mexico hat. Benz nutze die Chance, Kontakte zu knüpfen. Eine Stelle in Mexico stand in Aussicht. Doch die Sache mit dem Arbeitsvisum zog sich hin. Da träumte sie plötzlich eines Nachts sie arbeite in Japan. In derselben Woche rief ihre Schwester an, die derzeit bei Bühler arbeitete und sagte sie suchten dringend jemand für die Kaufmännische Leitung in Tokio. Kurz darauf sass Benz im Flugzeug nach Tokio.
Daraus entstanden Freundschaften von einer Tiefe, die ich so in der Schweiz noch nicht erlebt habe.
Margrit Benz-Ackermann,
Pensionärin
In der japanischen Kultur Anschluss zu finden, gestaltete sich gar nicht so einfach. Aber Benz wusste sich auch da zu helfen. Sie unterrichtete einige Töchter von Bühler Kunden in Deutsch. «Daraus entstanden Freundschaften von einer Tiefe, die ich so in der Schweiz noch nicht erlebt habe», sagt Benz.
Zurück in der Schweiz arbeitete Benz als Assistentin der Konzernleitung – damals Direktion genannt. Dabei erlebte sie viele Geschichten, die sie nun aus dem Nähkästchen plaudern könnte. Geblieben ist ihr aber vor allem der wertschätzende Umgang, den die Direktionsmitglieder mit ihr pflegten. Doch all dies vermochte Benz nicht im Unternehmen zu halten. Wiederum reizte sie das Neue, so verliess sie Bühler 1973 und machte sich gemeinsam mit ihrem Mann selbständig.
Heute geniesst sie ihren Ruhestand. Geht regelmässig ins Altersheim, um den Bewohnern Gesellschaft zu leisten und mit Kollegen zu Jassen oder trifft sich mit Freunden in Schaffhausen am Rhein, wo sie wohnt. Ihre Hartnäckigkeit und die positive Einstellung hat sie sich erhalten. So liess sie sich nicht unterkriegen, als es mit dem Lesen des Mosaic Online bei ihr zu Beginn einfach nicht klappen wollte. Immer wieder rief sie an. Sagte sie versuche es mit dem Link am nächsten Tag nochmals. Bis sich der Erfolg einstellte.
Spontan schlug sie auch gleich vor, das Interview für Mosaic bei Bühler durchzuführen. Beim Besuch im CUBIC verschlug es ihr fast ein wenig die Sprache. «Es war beeindruckend, respektive fast ein Kulturschock. All die Modernisierung und die freie Arbeitsweise, die in der Firma vorherrscht», sagte Benz nach ihrem Besuch und meinte zum Abschluss: «Mir hats gefallen. Ich komme wieder.»
Gupfenstrasse 5
Uzwil
9240
Schweiz