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Praxisbildner mit Herz
Mit grossem Engagement, Geduld und spürbarer Leidenschaft für die Ausbildung hat Peter Stalder über 27 Jahre hinweg Kaufleute in ihrer beruflichen Entwicklung begleitet. Als Praxisbildner war er nicht nur dafür verantwortlich, Fachwissen zu vermitteln, sondern vor allem dafür, junge Menschen auf ihrem Weg ins Berufsleben zu unterstützen und zu fördern.
Karin Hämmerle, Juni 2026
Für die Berufsbildung war Peter eine verlässliche Stütze: Wann immer Versetzungsstellen benötigt wurden, war er bereit, Lernende in seinem Bereich aufzunehmen und ihnen eine praxisnahe, lehrreiche Ausbildungszeit zu ermöglichen. In all den Jahren hat er unzählige Geschichten erlebt – Erfolgsmomente, Herausforderungen, berührende Situationen und humorvolle Episoden, die den Ausbildungsalltag geprägt haben.
Kurz vor seinem wohlverdienten Ruhestand trafen wir Peter, um gemeinsam mit ihm auf seine Laufbahn als Ausbildner zurückzublicken. Im folgenden Interview erzählt Peter von seiner Passion für die Ausbildung, von besonderen Erlebnissen, von Veränderungen in der Welt der Lernenden und davon, welche Spuren sein Weg als Ausbildner hinterlassen hat.
Ich kam im April 1999 zur Ausbildungsorganisation Druckguss und durfte gleich als Praxisbildner starten. Als Quereinsteiger, der von der Logistik herkam, mit Organisationserfahrung im Sport und in der Jugendarbeit wurde ich gleich ins kalte Wasser geworfen. Als ehemaliger Wettkampfschwimmer konnte ich gut damit umgehen (lacht).
Mitte 1970 habe ich selbst eine Berufslehre absolviert, als Briefträger. Die Berufsbildung ist aus meiner Sicht ein guter Start ins Arbeitsleben, auch wenn sich die Laufbahn danach in eine andere Richtung entwickelt. Ich selbst bin das beste Beispiel dafür. Nebst meiner Tätigkeit bei Bühler bin ich heute auch Mitglied in der Kommission Bildung und Qualität der Giessereiberufe.
In der Ausbildung habe ich Verantwortung übernommen, gleichzeitig aber auch Verantwortung an die Jugendlichen abgegeben und ihnen etwas zugetraut. Gegenseitiges Vertrauen ist mir wichtig. Wenn man zudem mit Herzblut dabei ist, fällt einem die Arbeit viel leichter.
Besonders beeindruckend ist es, wenn Lernende in meiner Abwesenheit den Betrieb aufrechterhalten und durch ihr Mitdenken alle weiterbringen. So war beispielsweise eine Lernende nach nur zwei Monaten eine Woche lang allein im Büro. Bei meiner Rückkehr war alles aufgeräumt; lediglich Aufgaben, die nicht sofort erledigt werden konnten, waren noch offen. Die nötigen Informationen beschaffte sie sich selbstständig und managte vieles eigenständig.
Es gab da tatsächlich eine Situation. Mit 57 Jahren rief mich mein Arzt im Büro an und eröffnete mir, dass ich mit Altersdiabetes konfrontiert bin. Ausgerechnet ich, der pro Tag 2-5 Munz-Prügeli verschlang. Ich rang nach Fassung. Der Lernende hatte ein feines Gespür und viel Humor. Er schaute zuerst mich an, dann die Box mit den Munz-Prügeli und meinte trocken: «Jetzt isch fertig mit Schoggi esse.» Ich musste lachen, denn er hatte die Lage erfasst und die Spannung war gelöst. Schoggi esse ich immer noch, nur viel dosierter.
Ich hatte das Glück, fast nie auf eine «Null-Bock» - Haltung zu stossen. Wenn der Start harzig war, habe ich zusammen mit den Lernenden kleine Schritte definiert und die Lernziele angepasst. Oft half es auch, von meinem eigenen Neuanfang zu erzählen. Mit 40 Jahren wurde bei mir eine Lösungsmittelallergie diagnostiziert und ich musste die Produktionsabteilung hinter mir lassen.
Telefonieren und im direkten Gespräch klare Fragen zu stellen, fällt jungen Menschen heute oft schwerer. Das liegt auch daran, dass ihnen deutlich mehr digitale Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen, etwa E-Mails oder der Teams-Chat. Gleichzeitig nehme ich wahr, dass die Herausforderungen für Jugendliche insgesamt grösser geworden sind. Die Vielzahl an Möglichkeiten bei der Berufswahl kann überfordern und viele bringen einen «Rucksack» mit, der sie familiär oder privat belastet. Für uns in der Ausbildung bedeutet das, dass Beziehungsarbeit eine immer zentralere Rolle einnimmt.
Vor allem im Bereich Informatik konnte ich als älterer Mitarbeitender viel von den jungen Menschen lernen. Umgekehrt konnte ich ihnen mitgeben, dass ein kühler Kopf vieles erleichtert. Deshalb habe ich den Lernenden bewusst Verantwortung übertragen. In einer Situation, in der eine Lernende Kursteilnehmende versehentlich eine Woche zu früh nach Uzwil bestellte, zeigte sich unsere Fehlerkultur. Anstatt zu schimpfen, besprachen wir mögliche Lösungen. Fehler dürfen passieren. Sie sind wichtig, damit Menschen lernen und sich weiterentwickeln.
In der Ausbildungsorganisation arbeiteten wir lange mit physischen Checklisten. Eines Tages erstellte ein Lernender aus Eigeninitiative ein Excel-Dokument und zeigte mir, wie sich Abläufe mit Verlinkungen digital abbilden lassen. Eine einfache Idee mit grosser Wirkung.
Dass ein Vertrauensvorschuss, das Übertragen von Verantwortung sowie das gezielte Fördern und Fordern der Stärken der Lernenden uns alle weiterbringt. Ebenso, dass es sich immer lohnt, zu sich selbst und zum eigenen Lebensentwurf zu stehen. Gerade auch bei Bühler hat sich im Umgang mit menschlicher Diversität vieles zum Positiven entwickelt. Da müssen wir dranbleiben. Niemand sollte das Gefühl haben, sich verstecken zu müssen.
Peter startete seine Karriere bei Bühler am 1. Januar 1982. Zunächst war er in der Endkontrolle von Druckgussmaschinen tätig, später folgten Einsätze als Mitarbeiter im Tech-Center Druckguss sowie in der Auftragsabwicklung. Mit 40 Jahren absolvierte er eine Umschulung zum KV-Sachbearbeiter. Seit April 1999 ist er organisatorisch für die technische Ausbildung im Bereich Druckguss verantwortlich. Im Alter von 57 Jahren schloss er zudem erfolgreich ein CAS in Giessereitechnik ab. Aufgewachsen ist Peter in Winterthur, heute lebt er in Degersheim. Im März 2026 trat er mit 66 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand.
Gupfenstrasse 5
Uzwil
9240
Schweiz