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Einer, der mitanpackt
Mit 16 baute er eine Plasma-Beschleuniger. Mit 34 übernahm er die Leitung von Grinding & Dispersing und schlüpfte zuerst einmal in den Arbeitsoverall. Seit Januar ist Samuel Schär unser neuer CEO. Seine Leidenschaft fürs Reden kann er in dieser Rolle voll ausleben – und überzeugt dabei mit Humor, Offenheit und einem klaren Blick für das grosse Ganze und die Zukunft von Bühler.
Bianca Richle, Juni 2026
Nicht jeder wird zu den Nobelpreisfeierlichkeiten eingeladen. Unser neuer CEO Samuel Schär schon. Wie es dazu kam? Mit zarten 16 Jahren kontaktierte er das Centre de Recherche en Physique des Plasmas (CRPP) in Lausanne und bat das Institut um einen Hochspannungsgenerator, ein Oszilloskop und weitere Geräte, die er für ein Projekt benötigte. Er war nämlich ein Physik-Nerd und wollte einen Plasma-Beschleuniger bauen. Das CRPP lud ihn nach Lausanne ein.
«Als sie mich am Bahnhof abholten, waren sie überrascht», sagt Samuel Schär. «Wahrscheinlich erwarteten sie einen etwas älteren Wissenschaftler und dann stand da dieser kleine Junge.» Offenbar vermochte Sam die Experten zu überzeugen, denn sie luden ihn ein, am Institut zu arbeiten. «Ich vereinbarte mit meiner Schule meinen Stundenplan so, dass ich jeden Mittwochnachmittag und Freitag sowie in allen Ferien nach Lausanne kommen konnte», sagt Sam.
Er steckte viel Herzblut in sein Projekt und gewann damit mehrere Auszeichnungen, darunter den ersten Preis beim 6. Wettbewerb der Europäischen Union für junge Wissenschaftler im Jahr 1994. Und eben: eine Einladung zu den Nobelpreisfeierlichkeiten.
Nach der Matura studierte Sam Physik an der EPFL in Lausanne. «Ich dachte wirklich, ich würde promovieren und Physikprofessor werden», sagt er. Besonders faszinierten ihn Quantenelektronik und Laser. Doch während der Phase seiner Abschlussarbeit, die er in einem dunklen Laborraum verbrachte, kippte etwas. «Ich trug den ganzen Tag Nachtsichtbrillen, justierte Spiegel und wartete darauf, dass sich der Laser einschaltete. Nach zwei Monaten machte es plötzlich Klick: Das konnte nicht die Aussicht für die nächsten drei oder vier Jahre sein. Ich wollte über wissenschaftliche Ergebnisse hinaus etwas bewirken.»
Sam wechselte zu McKinsey. Doch statt Technologieprojekten landete er vor allem in Projekten mit Banken. Die Sehnsucht nach Wissenschaft und Technik kam zurück. Er kündigte, reiste drei Monate mit dem Rucksack durch Südamerika und stieg danach kurz in ein Start-up eines EPFL-Freundes ein. Als dem Projekt und ihm selbst das Geld ausging, musste er sich neu orientieren. «So kam ich 2002 zu Bühler.»
Sam startete im Bereich Nanotechnologie. Ein neuer, experimentierfreudiger Bereich bei Bühler, der sein Forscherherz aufleuchten liess. Leider zeichnete sich ab, dass der Bereich nicht die erhoffte Wirtschaftlichkeit erreichen würde. Als sein damaliger Vorgesetzter Sam riet, sich extern nach einer Position umzuschauen, zweifelte er an seiner Zukunft bei Bühler. Sam entschied sich die Ostschweiz zu verlassen, und zurück nach Olten in seine Heimat zu ziehen. Zwei Jahre lang pendelte er so jeden Tag zwei Stunden zu Bühler.
Bald lichtete sich die Situation. 2009 bekam Sam das Angebot, den Geschäftsbereich Grinding & Dispersing bei Bühler zu leiten und seine Frau überraschte ihn mit der Nachricht, dass sie Nachwuchs bekommen würden. Heute sind Sam und seine Frau Eltern einer 16-jährigen Tochter und eines 12-jährigen Sohns und sie wohnen wieder in der Region Uzwil.
Gleich nachdem Sam seine Funktion als Head of Grinding & Dispersing übernommen hatte, verordnete er sich selbst ein Praktikum in der Montage. In der Montagehalle 053 in Uzwil montierte er während einer Woche Rührwerksmühlen und Dreiwerkswalzen.
Mit Begeisterung – wie das Mosaic berichtete. Er tat dies aber nicht allein wegen seiner Freude, sich kniffligen Herausforderungen zu stellen. «In der Montage zeigt sich, ob unsere Entscheidungen und Konstruktionen in der Praxis funktionieren. Ich wollte mögliche Schwierigkeiten selbst erleben und gleichzeitig ein Zeichen setzen: Wir sind ein Team. Ein solches Praktikum ist enorm lehrreich, und ich kann es jedem Geschäftsbereichsleiter nur empfehlen», sagte er damals im Mosaic.
Diesen Rat nahm er sich selbst zu Herzen: Als er 2013 zum Head of Advanced Materials befördert wurde und damit Mitglied der Konzernleitung – mit nur 37 Jahren – absolvierte er erneut ein Praktikum. Dieses Mal in der Die Casting Montage. Auch in seiner Rolle als CEO möchte sich Sam wieder einem Praktikum stellen. Wo es ihn diesmal wohl hinführen wird?
Das Sammeln von Erfahrung in verschiedenen Bereichen bei Bühler hat Sam bestens auf seine Rolle als CEO vorbereitet. Als 2020 Dieter Vögtli nach kurzer Krankheit verstarb – ein langjähriger und sehr geschätzter Manager von Bühler und auch ein enger Kollege von Sam, der zu der Zeit den Bereich Services & Sales leitete – übernahm Sam die Funktion zusätzlich zu seiner Rolle als Head of Advanced Materials. 2022 gab Sam die Leitung des AM-Business ab und fokussierte ganz auf Services & Sales. «Diese Funktion gab mir ein tiefes Verständnis für die verschiedenen Märkte und Regionen», sagt Sam. Ende 2025 absolvierte er zudem eine mehrmonatige Ausbildung an der renommierten Harvard Business School in Boston, USA.
Seine Wissbegierde und seine Freude daran, immer wieder Neues zu lernen, möchte Sam auch an die Kolleginnen und Kollegen bei Bühler weitergeben: «Was wir brauchen, sind Alles-Lernende, nicht Alleswisser», sagt er. Wichtig ist ihm dabei, «dass wir unsere freundschaftliche, fast familiäre Kultur weiterhin beibehalten.» Zudem sieht er rasche Entscheidungen als zentral. «Im heutigen Umfeld müssen wir schnell entscheiden und schnell lernen. In vielen Fällen können wir uns nicht mehr jahrelang Zeit lassen, um etwas Neues zu entwickeln. Dies bedingt, dass wir eine Kultur leben, in der wir Fehler machen dürfen.»
Am von GenB organisierten Erfahrungsaustausch gab Sam noch viele weitere Einblicke in seine Führungskultur und forderte insbesondere die jüngere Generation auf, ihre Ideen einzubringen: «Die nächste Generation sollte nicht auf Anweisungen warten. Wenn ihr eine gute Idee habt, bringt sie ein!»
Um die Stelle als CEO zu bekommen, musste Sam der Bühler Familie versprechen, dass er es ernst meint und die Position nicht nur als Sprungbrett für eine noch verlockendere Funktion ausserhalb von Bühler nutzt. Und dieses Versprechen hat Sam aus ganzem Herzen gegeben. «Bühler ist meine Passion und mein Leben. Sozusagen meine ganze Karriere habe ich bisher hier verbracht. Falls meine Leistung stimmt und man zufrieden ist mit mir, bin ich gekommen, um zu bleiben», sagt Sam. In den ersten Monaten hat sich Sam bewusst im Hintergrund gehalten. «Ich hatte stets Stefan als Mentor zur Seite und wir haben auch alle Kundenbesuche gemeinsam unternommen.»
Nun sind die ersten 100 Tage vorbei. Die Schonfrist ist verstrichen, die ersten internen Auftritte sind gemeistert, die ersten Interviews mit Journalisten geführt.
Seine neue Devise, in Meetings immer als Letzter zu sprechen, falle ihm noch schwer – schliesslich rede er sehr gerne, sagt Sam über sich selbst. Dass er gut reden und Menschen inspirieren kann, haben wir bereits erlebt. Nun sind wir gespannt auf seine nächsten Meilensteine.
Gupfenstrasse 5
Uzwil
9240
Schweiz